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nordlicht
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Beitrag von nordlicht »

@ hatte neulich mal den Tipp von Marc Cohn aufgegriffen. Gab es denn ja auch noch zu vernünftigen Preisen bei amazon. Habe gleich alle 3 Empfehlungen bestellt. Eben ist die 1-ste durchgelaufen - marc cohn - guter Tipp - danke - den ich auch von hier weitergeben möchte.

Grüße nordlicht
Viele Grüße aus der PlönerSeeRegion

nordlicht
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Tubes
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Beitrag von Tubes »

CARLA BRUNI - Quelqu'un m'a dit -

[img:160:160]http://img224.exs.cx/img224/7449/bruni1ux.jpg[/img]


Schon bei den ersten Tönen von "Quelqu'un m'a dit", dem schmachtenden Titelsong und der ersten Single, bei dem Carla Bruni an der Liebe zweifelt, möchte man auf die Knie fallen und Gott für diese großartige Stimme danken. Eine Stimme zum dahinschmelzen, eher dunkel gefärbt, leicht rauchig, die mal haucht und zärtelt, mal ironisch ist, mal fordert und rauer klingt. Hach! Wer wird sich nicht in diese Stimme verlieben, die über einem glänzenden Folk-Chanson-Arrangement schwebt? Auch wenn Carla Bruni im Song selbst an sich, an "seiner Liebe" zweifelt, auch wenn ihr "jemand anderes gesagt hat", dass "er" sie wirklich liebe!

Kaum hat man sich von diesem Lied erholt, schlägt Carla Bruni mit "Rafael" (Single Nummer zwei in Frankreich) zu. Etwas flotter und jazzy offenbart die Italienierin, die in Paris aufgewachsen ist, hier, dass sie neben Charme auch jede Menge Witz und Esprit in ihren Texten versprüht, wenn sie, amüsiert, vom Frauenhelden "Rafael" singt, der aussieht wie ein Engel, aber ein wahrer Teufel der Liebe ist. Dass sie eine sehr gute Songwriterin ist, hatte Carla Bruni schon vor Jahren bewiesen, als sie für "Si j'étais elle" des Schlagerstars Julien Clerc gleich bei sechs Songs als Koautorin aufgetreten ist. Wo diese Lieder allerdings im drögen Schmalz des Herrn Clerc etwas untergingen, strahlen die zwölf Titel auf ihrem eigenen Debütalbum in vollem Glanz.

Mit fast mehreren Hunderttausend verkauften Exemplaren in Frankreich, ist das Werk einer der großen Erfolge des Jahres und Carla Bruni ist nichts weniger als die Chanson-Sensation. Dabei scheint der Sängerin alles in den Schoß gefallen und sie ein echtes Glückskind zu sein. Denn der neue Star der französischen Chanson-Szene hat bereits eine Karriere als gefeiertes Modell hinter sich, entstammt einer schwerreichen Familie, sieht fabelhaft aus und ist auch noch intelligent. Dass sie nun auch noch wunderbare Chansons schreibt und diese exzellent interpretiert, macht das Glückskind perfekt!

Und wirklich: Diese Platte mit ihren zwölf Songs -- darunter auch eine Neubearbeitung von "La Noyée" der französischen Pop-Legende Serge Gainsbourg, eine Koproduktion mit Filmemacher Léos Carax und eine französisch-italiensche Nummer, -- ist eine Sensation! Was nicht nur an Brunis Stimme liegt, sondern auch an den geschmackvollen Arrangements, der sparsamen Instrumentierung und dezenten Bearbeitungen der Songs zwischen Chanson und Folk, etwas Jazz und Blues. Großen Anteil daran hat der Multiinstrumentalist Louis Bertingnac, den Fans französischer Popmusik vielleicht kennen, war er doch einst der Gitarrist der Téléphone, jener französischen Rock- und New-Wave-Band, die in den späten 70er- und 80er-Jahren exrtrem populär war.

..und die Regel besagte, dass Models nichts können außer mehr oder weniger gut auszusehen. Man denke an die alptraumhaften Versuche einer Naomi Campbell „Musik" zu machen! Und nun versucht es auch noch Top-Model Claudia Bruni? Gott sei Dank hat sie es versucht! Selten hat mich ein Album so überrascht! Wo ich Charttaugliches Popgedudel aus der Konserve erwartet habe, fesseln mich eine Gitarre und eine tolle Stimme. Das unglaubliche ist, dass es wirklich nicht viel mehr gibt außer dieser beiden Elemente. Französischer Gitarren-Chanson waren bisher nun wirklich nicht meine Welt. Aber Carlas Stimme gibt dem ganzen eine ganz besondere Note. Auch ohne französisch Kenntnisse wird man sofort in ihren Bann gezogen. Versteht man dann auch noch wenigstens ein bisschen des Gesungen ist es ganz aus mit einem. Natürlich geht es ganz chansontypisch um die melancholischen Seiten der Liebe. So viel wahres aus dem Mund eines Laufstegwesens muss erst mal verdaut werden. Unbedingt kaufen!

"La Suzanne Vega Français" prangte als Aufkleber auf dieser CD, die ich im fnac Strasbourg in den Händen hielt. Ich hatte zwar schon viel positives über diese CD gehört, aber jetzt - und gerade als Fan von Suzanne Vega - wollte ich mir ein eigenes Bild machen. Ich ließ mir die CD also vorspielen und war sogleich wie verzaubert.
Carla Bruni hat keine Singstimme, die mit Céline Dion oder Mariah Carey vergleichbar wäre. Ihre Stimme wirkt dagegen sanft, zart, fast zerbrechlich, sehr individuell. Und gerade deshalb macht diese Stimme süchtig. Weil sie anders ist. Weil sie nicht angeben will. Weil sie ihren Stil gefunden hat und weil sie nicht versucht etwas zu sein, was sie nicht ist. Das macht sie glaubwürdig.
Die schlichte Gitarrenbegleitung setzt zudem Akzente und unterstreicht gefühlvoll ihre poetischen Texte.
Wieder einmal läßt sich diese CD nur schlecht einer Kategorie zuordnen. Ist es Folk Français? Chanson? Oder etwas ganz neuartiges? Etwas Carla-Bruni-spezifisches?
Den Vergleich mit Suzanne Vega kann Carla Bruni nicht standhalten. Aber das braucht sie auch nicht - sie hat ihre eigenen Winkel gefunden. Zitate

Für Ohren und Augen! :P
Zuletzt geändert von Tubes am Mi 10. Mai 2006, 22:33, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße
Heiner

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Beitrag von 2285b »

noch ein Klassiker:

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Getz/ Gilberto MFSL (jetzt nicht mehr sealed :cry: )

... Girl from Ipanema...Bossa nova at its best...1963 :shock:

Gruß
Axel
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Mel*84
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Beitrag von Mel*84 »

Moin Leute

Anonym

Die hatte ich mir letztes Jahr auch gekauft. Einfach klasse............. :OK:


Axel

War der Klang der MFSL zufriedenstellend?


Gruß
Thomas
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Beitrag von Yoda-ohne-Soda »

2285b hat geschrieben:noch ein Klassiker:

Bild

Getz/ Gilberto MFSL (jetzt nicht mehr sealed :cry: )

... Girl from Ipanema...Bossa nova at its best...1963 :shock:

Gruß
Axel
Tach Axel,

die hatte ich bisher als normale CD. Seit Montag habe ich auch die MFSL (meine erste). schöne Scheibe :D

Gruß
Frank
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Frank

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Beitrag von Tubes »

Ich hoffe, die habt ihr schon alle:

DIANA KRALL - THE GIRL IN THE OTHER ROOM -


[img:110:110]http://img200.exs.cx/img200/5679/krall8dt.jpg[/img]


Diana Krall hat seit ihrem letzten, mit Platin und Grammys verwöhnten Album The Look Of Love einiges erlebt: Schönes, wie die Heirat mit dem britischen Song-Genie Elvis Costello, und Tragisches, wie den Tod ihrer Mutter. Die Kerben in ihrer bislang so glamourös wirkende Biografie blieben natürlich nicht ohne Wirkung -- auch musikalisch. Dennoch gehört auch eine Portion Mut dazu, wie sie sich mit ihrem neuen Album The Girl In The Other Room präsentiert.

Sie setzt auf Risiko -- und kann dabei höchstens an Profil gewinnen. Denn unter kommerziellen Gesichtspunkten betreibt die Kanadierin mit Wohnsitz New York ein verwegenes Vabanque-Spiel. Schließlich hätte sie bequem weiter auf ihre Erfolgsformel setzen können: gefälligen Jazz-Standards und Burt Bacharach ein Prise Sex einzuhauchen. Doch was macht Diana Krall? Sie zeigt ihr ungeschminktes Gesicht und offenbart dabei einen Blick in ihre Seele.

Von einer Hand voll hochkarätiger Musiker begleitet (darunter Drummer Peter Erskine und Bassist Christian McBride), interpretiert sie einerseits mit gewohnt cooler Verve aber neuer Intensität ein halbes Dutzend, für sie recht ungewöhnliche Songs. Zum Beispiel den Opener "Stop This World", ein träger Shuffle von Blues-Veteran Mose Allison; oder "Temptation", ein Schmuckstück aus der Kollektion von Tom Waits; oder die Verneigung vor ihrer Landsmännin Joni Mitchell -- "Black Crow". Schwerfällig wie der Mississippi im Hochsommer schiebt das in der Interpretation von Bonnie Raitt bekannt gewordene "Love Me Like A Man" daher, ein weiterer pechschwarzer Blues.

Die andere Hälfte der CD sind Eigengewächse aus dem Hause Krall/Costello. Wer bei diesen Genen auf wahre Song-Wunderkinder hofft, liegt nicht so ganz falsch. Titel wie der ungeheuer dynamisch swingende Titelsong, der Big-City-Blues "I've Changed My Address" oder das bei aller Melancholie irgendwie hoffnungsfrohe "Departure Bay" sind prächtige Beispiele für höchste Songschreiber-Kunst. Vier-, Fünf-Minuten-Werke, die einfach alles haben: Geist, Sex, Hirn, Herz, Gefühl -- und die ihren Stammbaum nicht verleugnen können. So lassen sich die rauchige Stimme, das flinke Händchen am Klavier natürlich klar Diana Krall zuschreiben, die hintergründige, metaphernreiche Wortgewalt und die raffinierten Melodiebögen und -wendungen sind dagegen ganz Elvis Costello.

Fazit: Das schöne Gesicht des Jazz hat seine ersten Falten bekommen -- und ist dabei nur noch attraktiver geworden. Ein Meisterwerk! -

Nachdem Diana Krall den Blondie-Faktor im Jazz gewaltig steigerte, wagt sich die bisher stets Standards singende Pianistin nun an eigene Songs. Was bestimmt mit ihrem frisch Angetrauten zu tun hat; der heißt nämlich Elvis Costello, und alle Krall'schen Komposition auf diesem Album bringen auch ihm Credits ein. Der Effekt dieser mit deutlich mehr Popmelodik ausgestatteten Songs ist erstaunlich: Diana Krall verwandelt sich nämlich gleichsam unter unseren Ohren in Joni Mitchell. Warum ist uns die Ähnlichkeit ihrer Stimmen - diese angeraute Härte, dieses Changieren zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit, dieses erahnte Vibrato - eigentlich nie aufgefallen? Die Arrangements freilich folgen strikt den Bluesjazz-Regeln, haben allerdings stark perkussive Akzente: Produzent Tommy LiPuma musste allein drei Promi-Drummer (Peter Erskine, Jeff Hamilton, Terri Lyne Carrington) und zwei ähnlich bedeutende Bassisten (Christian McBride, John Clayton) integrieren. Natürlich singt die Krall zwischendurch auch Coversongs. Und natürlich ist darunter auch einer - nämlich "Black Crow" - von Joni Mitchell. (mw)

Das Label über die CD
Als Ende 2002 die ersten Nachrichten von einer Liaision zwischen Diana Krall und Elvis Costello an die Öffentlichkeit durchsickerten, fragte sich mancher sogleich, ob diese Liebelei wohl auch Auswirkungen auf die künstlerische Arbeit der beiden Stars haben würde. Zwar wies Elvis Costellos im vergangenen Spätherbst herausgekommenes neues Album einen dezent jazzigen Einfluß auf, zu einem Gastauftritt seiner damaligen Verlobten kam es auf "North" allerdings nicht. Umso präsenter wird Elvis Costello, der seit dem 6. Dezember 2003 mit der Kanadierin verheiratet ist, nun aber auf dem neuen Diana-Krall-Album "The Girl In The Other Room" sein, das in der ersten April-Hälfte auf den Markt kommen soll.

Bei nicht weniger als sechs Eigenkompositionen (neben dem Titelsong noch "I've Changed My Address", "Narrow Daylight", "Abandoned Masquerade", "I'm Coming Through" und "Departure Bay") arbeitete das frischgebackene Ehepaar zusammen. Außerdem steuerte Elvis zum Repertoire dieses Albums noch seinen Klassiker "Almost Blue" bei (von seinem 1982er Album "Imperial Bedroom"), der auch schon von Chet Baker und Everything But The Girl interpretiert worden war.

Überraschungen bieten aber auch die restlichen Titel des Albums, weil sie aus dem für Krall bislang üblichen Programmrahmen von vornehmlich balladesken Jazzstandards herausfallen: Gespannt darf man Kralls Interpretationen von Tom Waits' "Temptation", Joni Mitchells "Black Crow", Mose Allisons "Stop This World" und Chris Smithers "Love Me Like A Man" (das man von Bonnie Raitt kennt) entgegenfiebern. Lediglich die durch Billie Holiday berühmt gewordene Arthur-Herzog-Nummer "I'm Pulling Through" scheint ein Relikt aus alten Krall-Zeiten zu sein.

Begleitet wird die singende Pianistin, die dieses Jahr ihren vierzigsten Geburtstag feiern wird, von Gitarrist Anthony Wilson, den Bassisten Christian McBride und John Clayton sowie den Schlagzeugern Peter Erskine, Jeff Hamilton und Terri Lyne Carrington. Zitate

A MUST!!! :!: :!: :!:

Sehr günstig bei jpc.
Zuletzt geändert von Tubes am Mi 10. Mai 2006, 22:34, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße
Heiner

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Beitrag von AJA »

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Umi - the way we were

T. Frantzen in Stereo 4 / 03: "Auf diesem Album gibt sie mit sparsamer Instrumentierung eine gelungene Kostprobe ihrer facettenreichen Ausnahmestimme, die zwischen nuanciertem Flüsterton bis hin zu brachialer Lautstärke einen extremen Dynamikumfang aufweist und zudem bestechend klar ist. Eine extrem gut und atmosphärisch klingende, ausgesprochen audiophile Produktion. Umi Yoshida ist ein Hammer! Auf schwerem Vinyl ist das Ergebnis sogar noch einen Tick stimmiger als auf der schon exzellenten CD."

Ob es auf Vinyl stimmiger klingt, kann ich nicht beurteilen, habe nur die Vinylausgabe, aber dieses Debut ("leichter Jazz") klingt einfach umwerfend. Begleitet wird Umi (geboren in Singapur, Vater aus Malaysia, Mutter aus Indonesien) von Gitarre und Upright Bass. Gänsehaut garantiert!

Gruß Jan
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Beitrag von Tubes »

Nochmal hier, weil sie mir am Herzen liegt:

JOEL HARRISON - Free Country -

[img::]http://img221.exs.cx:81/img221/7530/hu1wg.jpg[/img]

Dass eine Plattenfirma der anderen dankt, ist selten: "Danke, blue note, dass Norah Jones auf Free Country singen durfte", prangt in fetten Lettern auf dem Hochglanzpressetext zu Joel Harrisons Album. Zugegeben -- die mit acht Grammys gekürte Sängerin und Pianistin Norah Jones macht auf Free Country wieder einen guten Job --, zumal ihr die elegante Mixtur aus Country, Singer/Songwriter und Jazz, gelegentlich garniert mit dezenten Samples, gut liegt (allerdings gefällt mir persönlich Holly-Coles-Version vom "Tennesse Waltz" noch besser, aber das nur am Rande).

Aber es geht hier in erster Linie um den Gitarristen Joel Harrison. Und der zeigt hier sowohl sein spielerisches Können als auch seine ausgezeichneten Ideen als Arrangeur. Harrisons Bearbeitungen traditioneller amerikanischer Songs von Woody Guthrie (große Klasse: "This Land Is Your Land") bis Johnny Cash (rockig: "Folsom Prison Blues") sind originell und abwechslungsreich und lassen trotzdem eine eindeutige Handschrift erkennen. Im Zusammenspiel mit David Binney am Saxofon, Uri Caine, Piano, Tin Hat Trio-Mitglied Rob Burger am Akkordeon, Geiger Rob Thomas (String Trio of New York), Sean Conly, Bass und der sehr energetischen Schlagzeugerin (!) Alison Miller, schafft Harrison eine dichte Stimmung: Die Weite und Melancholie amerikanischer Country-Songs, raue R&B-Gitarren, rauchiger Blues und Boogie-Woogie-Piano-Anleihen geben sich ein sehr überzeugendes Stelldichein!

4 Joel Harrison Free Country (Edel Contraire) Country meets Jazz: Für unorthodoxe Coverversionen bedient sich Gitarrist Harrison in Sachen Roots bei Cash & Co. Doch wenngleich sich Jazz und Country eine Schnittmenge aus Atmosphäre und Erzählkunst teilen, liegt in dieser Rückschau aufs Rustikale nur wenig visionärer Jazz. Manch bodenständiger Song erweist sich als jazzresistent; improvisatorische Höhenflüge und rhythmische Neuorientierung prallen an ihm ab, verselbständigen sich. Dennoch: Die humor- und zugleich huldvolle Ambition macht das mitunter sperrige Projekt zu etwas Besonderem. Zudem verführen Gastmusiker wie Uri Caine oder Norah Jones dazu, sich auf den traditionsbewussten Traditionsbrecher Harrison einzulassen.

wenn jemand von "traditioneller amerikanischer musik" spricht weiß ich zumeist nicht allzu viel damit anzufangen. denn meist hängt die interpretation dieser musikgattung von den vorlieben des referierenden ab, und der geneigte zuhörer darf alles erwarten von indianischen klängen bis zu hip hop. zu bunt ist der ethnische "melting pot" in der jungen amerikanischen nation, um den begriff "traditionell" einseitig definieren zu können. joel harrison ist in washington d.c. aufgewachsen, und dort findet sich dieser kulturelle schmelztiegel in besonders ausgeprägter form. süd trifft nord, jazz trifft country und r'n'b, politik trifft auf kultur.

diesen kulturellen hintergrund benutzt harrison als reichen fundus für sein eigenes improvisationswerk. die linie wird schnell klar, doch überrascht die zusammenstellung doch gelegentlich. so finden sich zwei songs von johnny cash neben "echten" traditionals wie "wayfaring stranger" und "twelve gates to the city". so ist der begriff "traditionell" vielleicht eher als genre zu verstehen, von songs aus einer zeit in der amerika noch ein land im aufbruch in die moderne war. auch der "american dream", wie er in thompson's "fear and loathing in las vegas" beschworen und gesucht wird, ist ein tragendes element dieser musik, ambivalente und abstrakte mischung aus hoffnung und orientierungslosigkeit. es ist schwer, einen kleinsten gemeinsamen nenner zu finden zur darstellung der quellenlage. vielleicht sind es ja einfach nur songs die geschichten erzählen, aus einer anderen zeit. dieser duft liegt zumindest beim genauen zuhören in der luft, aufgewirbelt durch harrisons erfrischende interpretation. die rezeptur und die zutaten stimmen: "this land is your land" aus woody guthrie's feder ist genauso vertreten wie der berühmte "tennessee waltz" und carter's "will the circle be unbroken". in kombination mit harrisons free-jazz-arrangements klingen viele bekannte stücke zwar reichlich ungewohnt, jedoch stellt sich bald eine wohlige hingabe an den groove ein, den das album zweifelsohne besitzt. an diesem süppchen kochen auch einige bekannte "hilfsköche" mit: die achtfache grammy-gewinnerin norah jones wendet sich für "free country" von dem sehr soften stil ihres eigenen albums "come away with me" ab und klingt überraschend kraftvoll und neu. sie ist in zwei tracks vertreten, ebenso wie die gleichfalls wundervolle jen chapin. die beiden vocalistinnen stehen in starkem kontrast zueinander und zu joel harrisons gesangskünsten und bringen dadurch eine gewisse spannung und abwechslung in die insgesammt 12 songs. das lineup aus gitarren, sax, violine, bass und drums wird noch ergänzt durch tony cedras am akkordeon und uri caine am piano. Zitate

Günstig bei amazon
Zuletzt geändert von Tubes am Mi 10. Mai 2006, 22:36, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitrag von Tubes »

Moin,

in diesem Fred fehlt was rockiges:

APRIL WINE - Faster, harder -

[img:152:167]http://img142.exs.cx/img142/7237/april1wi.th.gif[/img]

Diese Scheibe könnte als Insider Tip im Rockbereich empfohlen werden, da sie wirklich absolut spitze ist, wenn auch etwas schwer zu finden. Hier gibts keinen Hänger, alles super topp. Rockig ausgefeilte Arrangements, perfekt gespielt mit schönem Gesang und exzeptionellem Drummer (Double bass). Schön ist vor allem die Ballade "Before the Dawn", "Babes in Arms", "Tonite" und das abgedrehte "21.th Century Schizoid Man". Achtung Crimson Fans! :!:
Zuletzt geändert von Tubes am So 30. Dez 2007, 16:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von 2285b »

APRIL WINE - Faster, harder -
Ist mir zu laid back... :wink:

dann lieber Van H-Oi-len! :shock:
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Beitrag von Tubes »

GIANMARIA TESTA - Montgolfières -


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Der piemontesische Sänger erinnert stimmlich stark an Paolo Conte, doch sind seine Songs deutlich abwechslungsreicher und spannender arrangiert, teilweise sehr nahe am französischen Chanson angelehnt. So ist Montgolfieres eine der schönsten italienischen CDs der letzten Jahre!

Sind es Lieder oder sind es Geschichten, die Gianmaria Testa mit seiner charismatischen Baritonstimme vorträgt? Der ehemalige Bahnhofsvorsteher aus dem piemontesischen Cueno erzählt von alltäglichen Menschen und alltäglichen Situationen. Teils melancholisch und manchmal mit einem Hauch von Ironie ist er der Poesie des Alltags auf der Spur. Mit rauchiger Stimme und Gitarre vermag er dabei, seinen Liedern ein Gewicht zu geben, wie es sonst nur wenigen gelingt.

Gianmaria Testa zählt zu den mit Abstand interessantesten italienischen "cantautori", in seiner Heimat und in Frankreich ist er längst ein Star. Nach seinen umjubelten Konzerten vor einem Jahr, beglückt er nun bereits zum zweiten Mal die Sargfabrik mit seinem exzellenten Trio, dem Piero Ponzo (u.a. Carlo Actis Dato Quartett) und Enzo Pietropaoli (Paolo Fresu, Enrico Rava) angehören. Ponzo, mit dem Testa seit der Veröffentlichung der mittlerweile Kultstatus erreichten Debüt CD Montgolfières immer wieder zusammenarbeitet, arrangierte auch die Musik der aktuellen CD Altre Latitudini.

Ganz auf das Wesentliche reduziert: Aus Text, Melodie und Harmonie entfaltet sich eine eigene Welt. Nur auf den ersten Blick scheint sie klein: Gesten und Blicke gewinnen Bedeutung und das Warten auf einem stillen Bahnhof kann der Beginn einer weiten Reise zu sich selbst sein. Der Bahnhofsvorsteher aus dem Piemont erzählt von alltäglichen Menschen und alltäglichen Situationen. Teils melancholisch und manchmal mit einem Hauch von Ironie ist er der Poesie des Alltags auf der Spur.

Gianmaria Testa ist ein leiser Poet, wie es ihn viel zu selten gibt. Die Geschichten, die er in seinen Liedern erzählt, sind die Geschichten abseits des Alltags; Leute, die abfahren und ankommen, oder Tagträume eines Bahnhofsvorstehers. Zitat

Anhören, kaufen!
Grüße
Heiner

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Beitrag von Thargor »

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Mal wieder rausgekramt. Klasse!

Das Remastering der CD ist um welten besser, als das, was auf der LP drauf ist :?

Alles, was Coltrane so cool macht ist da drauf... 8)

Werd mal ein paar alte Sonny Rollins Scheiben raussuchen...
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Beitrag von Tubes »

Oi,

was macht Coltrane denn so cool :?:
Schreib mal was mehr, sonst passt dieser Tipp besser nach: Sag mir was du hörst..., finde ich :wink:
Grüße
Heiner

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Beitrag von Thargor »

Der Sound ist total räumlich. Die Mucke ist zwar /fast) Easy-Listening.... aber das kommt genial rüber. Meine LP von 1973 ist nicht einmal ansatzweise so durchhörbar. Die Räumlichkeit ist fast nicht vorhanden. Auf dieser Pressung dagegen schon.

Scheint tatsächlich vom Original-Masterband zu kommen.

Wer Coltrane mag....
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Beitrag von Tubes »

The Commitments [SOUNDTRACK]

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Stereoplay
Wie ein hungrige Soulband im rauhen Dublin versucht, nach oben zu kommen, beschreibt der neue Streifen des englischen Regisseurs Alan Parker ("Mississippi Burning"). Per Anzeige fand er unbekannte Nachwuchsschau- spieler und drehte an Originalschauplätzen in der irischen Metropole. Mit 14 Coverversionen von Soul-Klassikern beweisen die Commitments, daß sie aber in erster Linie Musiker sind. Der schweißtreibende Soundtrack mit Perlen von Otis Redding, James Brown oder Wilson Pickett lebt von ungebremster Spielfreude. Zehn Commitments verwandeln Dublin damit in Soul-City.

Ich bin auch nach Jahren noch begeistert von dieser und auch von der 2. CD der "Commitments"! Auch wenn letztendlich die souligen Originale unübertroffen bleiben werden, ist/sind diese CDs vom ersten bis zum letzten Lied einfach nur spitzenmäßig: zum Immer-wieder-hören-wollen & Automatisch-gute-Laune-bekommen! Sehr empfehlenswert! Wie natürlich auch der Film! Wer dananch nicht soul-süchtig wird ist selber schuld!

Vom ersten bis zum letzten Song energiegeladener Soul vom Feinsten (Cover-Versionen alter Meister). Andrew Strong singt eindringlich mit rauher Power-Stimme. Dazwischen sanfte Soul-Balladen mit gutem Background. Abwechslungsreich - jedes Stück ist interessant. Für Soul-Fans ein Muß! Zitaten
A. Strong, der Sänger, war zur Zeit der Aufnahme erst 17 a!!!

Ultimative Fassung von Mustang Sally :!: :!:
Grüße
Heiner

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Beitrag von 2285b »

Endlich mal oine, die ich kenne :shock:
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Beitrag von Tubes »

Hier gibt's was für Krautrock-Fans zum Superpreis von 4,99 Teuronen :!: :!: :!: :D
Grüße
Heiner

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Beitrag von Mel*84 »

Wo?????????????? :shock:
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Beitrag von Thargor »

Klick doch einfach den Link an da oben..... :?
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