Danke für die wiederholt überreichten Blumen. Das macht Freude und verleitet dazu, heute mal etwas früher aus zu büxsen und bereits das nächste Kapitel online zu stellen:
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel ...
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Worum geht es? Nun, nochmal um den Antrieb und den großen weißen Elefanten wollen wir jetzt mal aktiv jagen.
Das was zählt ist ja bekanntlich der Gleichlauf. Linn selbst hat sich diesem Thema ja ebenfalls verschrieben und das Thema mittlerweile auf drei verschiedene Arten "gelöst".
Fangen wir aber mal mit dem alten Netzsynchronmotor und somit Valhalla, Hercules und Lingo 1 bis 3 an. Auf der Platine wird ein ziemlich exakter 50 hz Sinus erzeugt und zwei phasenverschobene Ausgangsspannungen erzeugt. Zudem wird nach der Anlaufphase die Ausgangsspannung leicht zurückgenommen um dem sog. Cogging entgegenzuwirken und einen noch etwas ruhigeren Motorlauf zu ermöglichen. Eine Geschwindigkeitskontrolle und (nachgelagerte) aktive Geschwindigkeitskorrektur findet nicht statt.
Der nächste Blick wendet sich dem Linn Radikal zu. Der hierzu gehörende Motor kommt aus der Schweiz und dort von Maxon und es handelt sich um einen Gleichstrommotor mit Gleitlagerung, Permanentmagnet und eisenlosem Rotor. Schaut man in das Maxon-Portfolio, dann böten sich hier z.B. die nachfolgenden Typen an:
- Maxon 110189
Maxon 110191
Maxon 226774
Ferner gibt´s da ein Microprocessor und dieser bewerkstelligt, dass die Ist-Drehzahl gemessen, mit der Soll-Drehzahl verglichen und anschließend die Drehzahl entsprechend nachgeregelt wird. Jetzt wird beim Radikal ein kleiner Filzstreifen am Tellerrand aufgeklebt, der dann pro Umdrehung des Plattenteller genau einmal oder umgerechnet alle 0,55 Sekunden durch eine kleine Lichtschranke rennt. Bevor also der Effekt des Nachregelns das erste Mal sinnspendend gemessen werden kann und erneut eine korrigierte aber konstante Geschwindigkeit hergestellt hat werden können vergehen gleich mindestens mehrere Umdrehungen. Natürlich kann so ein Microprozessor auch noch etwas mehr und kann über Aufzeichnung des Geschwindigkeitsverlaufes z.B. wahlweise Prognosen bzw. Regelverläufe nachzeichnen, diese beim nächsten Mal wieder anwenden und auf diese Art und Weise ggf. die Regelzyklen positiv beeinflussen. Das bedeutet auch z.B. das sog. Regeltaumeln, welches man ja in den 80ern den Direktantireben vorgeworfen hat, einzuschränken. Im Umkehrschluss ist das beschriebene Verhalten und Funktionsprinzip aber auch eine möggliche Erklärung dafür, dass Benutzer des Radikal davon berichten, dass sich der Klang innerhalb der ersten 0,5 bis 1 Stunde nach Einschalten angeblich deutlich verändert.
Der Origin Life DC Motor stammte übrigens ursprünglich ebenfalls von Maxon und war vom Typ 110189, die neuere Version kommt von Premotec. Grundsätzlich bringt auch der neuere DC Motor ebenfalls die Features Permanentmagnet und eisenloser Rotor mit, der Unterschied besteht in der Lagerung.
Auch bei der Regelung stetzt Origin Life auf ein leicht anderes technisches Prinzip - einen Stromregler. Hierbei führt ein beim Abbremsen des Motors ansteigender Strom zu einer Spannungserhöhung und damit für die benötigte Geschwindigkeitsanpassung. Auch diese Regelung kann einen Micropozessor (z.B. AN6651) beinhalten und damit dann auch eine noch höhere Genauigkeit erreichen. Das DIY-Audio ist voll von Fäden zu dieser Art der Regelung und den Hinweisen von Mark Kelly oder Umsetzungsbeispielen wie der Teres-Antrieb von Manfred Huber.
Es gibt aber einen "weißen Elefanten", dem man erst mal hat habhaft werden müssen. So einfach war das nämlich gar nicht. Aber der Reihe nach. Es geht um Edmund Chan und seine kleine Firma Mober. Er startete in Hongkong, entwickelte einige Produkte rund um den LP12 und so auch ein DC-Motor Kit. Allerdings hat Edmund Chan in der Pandemie beschlossen Hongkong für immer den Rücken zu kehren und sich in der UK neu anzusiedeln. Deshalb hatte er seinen Shop geschlossen und fing gerade erst ganz langsam an in UK die Produktion wieder hoch zu fahren. Mittlerweile gibt es seine gesamte Produktpalette (Tellerlager inkl. Crossbrace, Innenteller mit Messing-Inlet, Subchassis ähnlich Keel, Topplatte, Zarge aus Aluminium, Baseboard und natürlich das DC-Motor Kit) über
https://www.stamfordaudio.co.uk/linn-lp12
Hier gibt es also ebenfalls einen Maxon Motor vom Typ Permanentmagnet, eisenloser Rotor und gleitgelagert. Der ist in eine Motordose gehüllt, welche optisch durchaus an Jene vom Linn Radikal erinnert. Auch sonst sieht das dem Radikal erstmal ziemlich ähnlich mit Lichtschranke auf der Topplatte und Microprozessor auf der Regelplatine. Aber unter dem Plattenteller finden sich dann eben ganze 16 Stroboskopmarkierungen, die Geschindigkeit wird alle 1/10 Sekunden kontrolliert und innerhalb einer einzigen Tellerumdrehung bereits vollständig korrigiert und nach dem Einschalten braucht es nur 5 Umdrehungen, bis die Sollgeschwindigkeit konstant eingestellt ist. Das verhindert Regeltaumeln und garantiert einen überaus exakten Gleichlauf - ein verbessertes Radikal sozusagen.
Klar, dass mich ein noch genauerer Gleichlauf einfach extrem angemacht und ich mir so ein Mober DC-Kit genau deshalb auch beschaffen musste.
Das ist übrigens der schick verpackte Maxon DC Motor, die Lichtschranke und der Strobo-Ring.
Und das ist die Regelelektronik, welche dann eine maximal genaue Drehzahl mit zudem auch noch relativ hohem Drehmoment sicherstellt
Du musst verstehn!
Aus eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex,
Mach Sieben und Acht,
So ist´s vollbracht;
Und neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!
Ohne das göttliche Strichwerk unterm Teller geht´s natürlich gar nicht - auch wenn´s hier auf dem Photo so aussieht, als ob das exzentrisch aufgeklebt sein könnte; mein Messschieber lügt aber nicht.
Es ist also angerichtet, der Catweazle nebst Gandalf waren eben da und nickten nur verzückt. Catweazle ist schon wieder weg. Und der Gandalf? Ja, den hab´ ich ja ganz vergessen. Ich glaub´ der sitzt da noch und begutachtet die Anzeige mit den 33.3.
Geblieben ist übrigens der gewebeverstärkte Gummiriemen von Origin Live. Und der Umbau ist der Knaller. Erstaunlich, was da noch so Alles passiert. War der Schritt vom Synchronmotor mit Valhalla zum Origin Live DC Motor schon groß, so ist der Schritt jetzt nochmals sogar deutlich größer. Der Rhythmus steht jetzt genauso stabil wie mit den großen Direkttrieblern, der Drive erinnert an einen guten Reibradler oder DD. Und ich spreche nicht von dem Drive, den schon die Einstiegsklasse wie ein L75 oder 1019 abliefern sondern von dem Punch und Drive der Reibradler-Oberklasse wie bei Commonwealth 12D, EMT 930 oder Garrard 301/ 401/ 501. Ich war also zurecht angefixt, angemacht und aufgeregt. Jetzt ist dieser kleine LP12 also ein Ecstatix, Radikalix oder Klimatix oder einfach nur Meiner.
P.S.:
Und nein, die Reise ist noch nicht zu Ende. Es folgt noch mehr.
P.P.S.: Ich hätte nun einen Origin Live DC-Motor Kit abzugeben
