Liebe Hingereiste und Gerndortgewesenwärene,
es war ein gelungenes, vielfältig anregendes Treffen. Mein Dank geht an die Organisatoren, Mitbringer, Gastgeber, Vor- und Verführer und alle Helfer, die das Treffen zur runden Sache machten! Die gut aufgespürten, geeigneten Räumlichkeiten, das Ganze in einer richtigen (= von außen erreichbaren) Stadt mit ICE-Anbindung, freien Parkplätzen, blühenden Kirschbäumen, kraftvollen Feldwebeldominakellnerinnen (gell, Ole?) und strahlenden Hifi-Jüngern, die von nah und fern herbeipilgerten.
Mei, war des sche! Tut des guad!
Es war mein zweites RuH-Treffen, und ich war überrascht von der nun erst zu Tage tretenden Wirkung meines ersten! Hatte ich noch letztes Jahr nur meine Telefonbuddies drauf, kam heuer gleich beim Eintreten das Gefühl, die Hälfte der Anwesenden herzlich zu kennen. Coming home! Leider konnten nicht alle kommen. Stellvertretend für euch Gerndortgewesenwäre grüße ich Frido und Klaus-Bernd!
Fachlich gab es vier unterschiedliche, allesamt wohlüberlegt zusammengestellte Musikanlagen. Wobei ich leider den spätnachmittäglichen Zugabeauftritt der Satohörner nicht miterlebte, nachdem sie bis 13:00 Uhr lange an einem unsäglichen CD-Spieler mit viel Tiefbass, aber ohne den darüber liegenden Grundton (und dadurch fälschlicherweise helltönend, nervös, unrund erscheinend) besonders bei Gesang nicht zeigen konnten, was sie drauf hatten. Wer sie später aber auch noch am Plattenspieler gehört hatte, war dann ausnahmslos des Lobes voll. Auch optisch ein Erlebnis waren die SE-Monos am Tiefmitteltontreiber mit der glühbirnenhell leuchtenden GU 81M, die ich erst als Nutellaglas (400 g Inhalt) bezeichnet hatte. Beim Herantreten musste ich nachkorrigieren: Unter den Anodenkappen verstärkten vollformatige Einweckgläser allerfeinst Musik.
Sehr gut hat meinen Ohren Oles Anlage gefallen, der uns zeigte, wie man mit überlegt eingesetztem Budget und Selbstbau-Lautsprechern stimmig Musik hören und das Rumprobieren aufgeben kann. Saß man erst einmal im Sweetspot, löste sich die Musik ganz vom Lautsprecher und kam 3 m hinter den Boxen aus den Panoramafensterscheiben, die uns das Freibad von D'dorf-Flingern erschlossen. Saisonbedingt badeten wir RuH’ler nur unsere Ohren, und zwar in Wogen von Schall.
Erster Höhepunkt für mich war die Analogvergleichsanlage von Erzkanzler Martin mit der AuCantus Leisure 5 als Satellitenpaar und einem für mich etwas zu hoch gepegelten Zebulon Subwoofer. Damit war der ganze große Raum problemlos so überzeugend wie feinsinnig beschallbar. Gerne wäre ich hier länger gesessen - 6 Stunden sind im Nu herum! Diese Anlage hatte eine meditative, beruhigende und die Aufmerksamkeit auf die Musik, bzw. auf den LP-Klang fokussierende Qualität. Nur in diesem Raum wurde auffällig wenig gequatscht und dafür hingebungsvoll (zu)gehört. Das war bei jeder Tageszeit und Besetzung so und seeeeehr auffällig. Quasi der Andachtsraum im Airport oder die Meditationslounge des Treffens. Gerne hätte ich mich länger dorthin gesetzt und als Analoglaie mehrere Tonabnehmer verglichen. Aber ich wollte keinesfalls den DAC-Vergleich, die Network 5.5 und die Anlage von Network Audio verpassen.
Ich danke Micha, der mit kistenweise Mess- und Referenzelektronik gekommen war und uns mit viel Geduld und Sachverstand den DAC-Direktvergleich mit auf 0,1 dB ausgepegelten Quellgeräten ermöglichte!
Außer Konkurrenz lief interessanterweise noch ein Non Oversampling DAC mit, der sich durch raubeinigen, flachen Eigenklang und mäßige Auflösung sofort und einstimmig die Sympathie des Auditoriums verspielte. Ein Effekt der mir schon bei früheren Vergleichen mit NOS-DAC-Beteiligung aufgefallen war. Auch dann, wenn zur Qualitätssteigerung 10 oder mehr parallel geschaltete NOS-Wandlerchips auf einmal werkelten (Chiptürme). Bei DACs scheint es mir: NOS means loss, tear & toss – just my 2 cents.
Der jütländische BMC2, ein Gerät aus dem semiprofessionellen Tonstudiobereich und mein Wunschkaufkandidat, spielte gut auf fürs Geld (Preistipp! < 300 Euro NP, früher angeboten für 600 Euro), hatte neben seinen Meriten und im Vergleich zu den teureren DACs für mich aber ein kratziges Klangbild, das nach einigem Umschalten genügte, um ihn im Vergleichskonzert wiederzuerkennen. Später erwähnte Micha das lattenzaunartige ungeradzahlige Klirrspektrum des BMC2 (mit Peaks bei K3, K5, K7, etc. ...), sodass die gehörten Verzerrungen auch messtechnisch begründbar sind. So geht es eben auch „unbestechlichen“ Tonstudiogeräten. Die Entwicklungstiefe hängt nicht zuletzt vom Etat ab.
Im Direktvergleich wurde mein neues Wunschgerät ohne lange zu überlegen der Benchmark DAC1, der VON ALLEM MEHR bot (außer Klirr, Lambswool-Kratzigkeit und Nervosität): mehr Detailfüllhorn, Bühnentiefe, Räumlichkeit, Authentizität. UND DAZU etwas von mir gänzlich Unerwartetes – analoge Seidigkeit, Musikalität und Atmosphäre bei digitaler Klarheit, Geräuschfreiheit und Dynamikspanne. Beide Konservenklangwelten vereint ergänzten sich in meinem Erleben harmonisch zu Natürlichkeit und Authentizität und vor allem – zu Musik.
Meine Vorerwartungen zu diesem Studiogerät hatten mir ein blitzpräzise aber nüchtern daherkommendes Profistudioklang-Klischee in den Kopf gesetzt. In Wirklichkeit erlebte ich vom DAC1 Musik, und zwar mit unangestrengtem Chardonnaybukett und schön eingebundenen buttrig-vanilligen Eichenholznoten. In klangmalerischen Adjektiven: authentisch, luftig, voller Details und Räumlichkeit und seidig, seidig, seidig, seidig, seidi..... Lady Benchmark gab weder die Klangbibliothekarin noch Amtsrichterin noch Bikertussi noch Kuschelmäuschen. Lady Benchmark ist die blitzgescheite Schönheit, die oft ins Fitnessstudio oder Joggen geht! Da schnurrte aus der Bühnentiefe seidenraschelnd die ohrensinnliche Verführung pur. Man, hat die Klasse, diese(r) Benchmark!
Eigentlich wollte ich mir nach dem Treffen ja einen TC-Electronic zulegen und zuvor in D’dorf probehören. Nun aber bin ich den unerwarteten Charmedimensionen des Benchmark erlegen, übe lieber noch ein Weilchen Verzicht, und dass letztlich doch gerne angesichts der zu erwartenden Wonnen. Die Preisdifferenz zum BMC2 ist es mir Wert und an rechter Stelle - in die Quelle! - investiert. Was hier nicht - nomen est omen - ausgegeben wird, kann keine nachfolgende Instanz mehr herbeikomplettieren. Bei diesem Gerät misst Weltraumingenieur Micha nur einen kleinen Klirrpeak - ausgerechnet beim K2, dem psychakustischen Analogon zum Lockpheromon, dass uns Röhrenspinner so unweigerlich zur Röhre hinzieht, wie ein paar Duftmoleküle den Seidenspinner zu seinem Spinnerweibchen.
Wer hingegen ein schlankes, trockenes Klangbild auf ähnlichem Niveau wünscht, kann den RME Fireface (um 800 Euro) in Betracht ziehen, der zur Erleichterung des Auditoriums den unrasierten NOS-Clochard ablöste. Außerdem beherrscht der RME als einziger gehörter Kandidat auch die umgekehrte Wandlungsrichtung von analog nach digital, was ihn interessant für Vinylripper und Homerecorder macht.
Eine weitere Überraschung war der Vergleich Benchmark DAC1 mit Linn Majik Netzwerkplayer. Soweit ein Vergleich zu diesem Zeitpunkt im dann sehr unruhigen Hörraum noch möglich war, konnte ich keine Differenz zwischen all American girl (Benchmark) und Scottish maid (Linn Majik) hören. Beide bieten großes Kino, preisbezogen bleibt dansk pige BMC2 (TC Electronics) die Empfehlung für jeden, der nicht so viel oder lange ansparen will. Wer sich bisher nicht zwischen Linn oder Benchmark entscheiden konnte, darf seit diesem Samstag getrost das zum persönlichen Gusto passende Technikkonzept als Entscheidungskriterium heranziehen: Netzwerkspieler oder Standalone-DAC, dass ist hier die Frage. Erwähnenswerte Klangdifferenzen taten sich für mich in erster Näherung nicht auf.
Das ist doch eine gute Nachricht, finde ich! Und mein mit eigenen Ohren gehörter Ritter(zu)schlag für den DAC1.
Dann war allmählich Abbauen und Einladen angesagt, was dank vieler helfender Hände und idealen Parkmöglichkeiten vor dem Haupteingang zügig erledigt war. Beim Abendessen im Wintergarten trumpfte die hauseigene Bedienung mit schnuckeligen Schnitzelsets und beeindruckendem disziplinarischem Talent: Hit me with your rhythm stick (Hit me! Hit me!)! Die meisten von uns kamen noch mit einem blauen Auge davon. Folgsam wie Schulkinder – man(n) ist ja lernfähig - reihten wir uns dann zum Zahlen an der Theke auf, wo unter gespannter Aufmerksamkeit aller ein jeder (s)eine letzte zärtliche Abreibung verpasst bekam. Ex-Ruhrpott-Sozialarbeiter Klaus Lage fiel mir da ein, wenn er singt: „Du bist hart und heftig, zart und kräftig, keine macht’s mir so wie du …“ (aus: Tante Lu). Fast fühlte ich mich, wie zurück in meiner Wahlheimat Berlin.
Doch vor verfrühtem Aufbruch und erneuten 600 km Fahrt bewahrte unseren verbliebenen Kreis ein Gitarre spielender Gastgeber. Wir waren im Auto zu zweit aus Berlin angereist und genossen eine (niveau)volle wie sinnesfrohe Gesprächsrunde, die nach gefühlter Ultrakurzzeit – nach 03:00 Uhr morgens – jäh gestört wurde, als die Nachbarschaft telefonisch um Gesangseinstellung ersuchte. Dem wurde stattgegeben. Nächstes Jahr schließen wir vorher vielleicht noch den RME an und digitalisieren das Ganze …. mindestens 24 bit/96 kHz-Qualität erscheint uns dafür angemessen.
Herzlichst
Pit