Moin Heinz,
ich möchte erstmal vorausschicken, daß jeder seinen Tonarm natürlich so einstellen kann und darf, wie er es für richtig hält ...
... ich habe in diesem Punkt viel experimentiert, viel diskutiert und - wen wundert´s - auch einige Male bei der Justage garantiert richtig grob daneben gegriffen ...
... und auf der anderen Seite muß man sich auch Gedanken darüber machen, in welchem Rahmen man eine einmal gefundene Justage überhaupt reproduzieren könnte und mit welchem Fehler man eine Justage überhaupt bewerkstelligen kann ...
... keiner von uns kann einen TA um ein 10tel Grad korrekt verdrehen oder um einen 10tel Millimeter korrekt nach vorne oder hinten verschieben, geschweige denn einen Tonarm im Bereich von einem 10tel Millimeter in dessen Höhe verändern ...
... jede Justage ist also immer das Produkt unserer motorischen Fähigkeiten oder provokanter formuliert ist eine gute Justage eher ein Zufallsprodukt und letztendlich immer genauso fehlerbehaftet, wie jede "Justagenorm" ... also Baerwald, Loefgren, Stevenson oder Ikegami, Rother und Co ...
... deshalb sprach ich weiter oben ja auch schon von der Relevanz ...
... oder anders gesprochen ... ich bin die Diskussion um das bessere Theorem einfach leid ... sie langweilt mich mittlerweile ... auch die Unfähigkeit mancher Diskutanten Argumente wertneutral zu gewichten und zu differenzeieren ...
... meine Aussage weiter oben spricht von keinem besser oder schlechter, sondern weist nur darauf hin, daß das vorgestellte Tool ein Problem zu haben scheint ...
... das ist aber noch lange kein Grund für einen Glaubenskrieg ... den überlasse ich gerne den HiFi-Gazetten und deren hörigen Lesern ...
... auch wenn deren Umgang mit der Materie sehr oft an Sachverstand deutlich missen läßt ... und hierbei meine ich ausdrücklich niemanden persönlich ...
Morfeus hat geschrieben:
Letztendlich unterscheiden sich die Berechnungen von Löfgren et al von denen der Hersteller grundsätzlich dadurch, dass die Annahme des bespielten Bereichs der Platte und damit die resultieren Nullpunkte bei Löfgren/Baerwald/Stevensen variabel sind
... na ja ... eigentlich nicht ... das ist erstmal nur die Quintessenz, die gepredigt wird.
Loefgren ging z.B. ganz anders vor ... er hat mathematisch den Nachweis geführt, daß zur Minimierung der Abtastverzerrungen eine Kröpfung des Tonarmes notwendig ist. Das auf Basis von Tonabnehmern mit fest eingespannter Nadel bzw. Nadelträger ... im Jahr 1938 war das also eher eine Schraubbefestigung ...
... und wir sprechen von Schellackplatten und natürlich von Monoschallplatten.
Danach (1942) kam Baerwald, der auf Loefgren aufbauend aus der Kreisbewegung eine Kepplersche Kreisbahn machte ... wiederum ging es nicht um die Anpassung der Justage auf z.B. geänderte Rillendurchmesser sondern um die Schaffung eines komplexen Theorems ...
... also welcher Kröpfungswinkel für minimale Abtastverzerrungen bei der Konstruktion zu berücksichtigen wäre ...
... aber wir schreiben erst das Jahr 1942 und sind immer noch bei Schellack und Mono ... und Abtastern, wie z.B. die GE RPJ mit immer noch fest eingespanntem Nadelträger und Auflagekräften von 6 gr und mehr ...
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... Tonarme mit effektiven Massen von annähernd 200 gr waren an der Tagesordnung ...
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... ansonsten wären TAs mit einer CU von 1,7 auch nicht annähernd nutzbar gewesen ... Antiskating war ebenso Fehlanzeige ...
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Erst Stevenson widmet sich in seinem Abtasttheorem den Stereoabtastern ... und das war dann 1966 ...
... Ikegami und Hoshimi (1976) sowie Rother (1977) waren Konstrukteure, die einen neuen Weg im Tonarmdesign beschritten ... deren Anliegen war also weniger mathematischer Natur sondern zielte vielleicht auch eher auf klangliche ansonsten aber auf rein konstruktive Parameter ab ...
... man findet hierzu leider nur einige Patentvorschauen sowie die Nennung einiger Artikel die bei der AES in deren Publikationen erschienen sind ... die Auszüge aus den Patenten geben nur einen kurzen Überblick ...
Das ist erstmal nur eine historische Einordnung ... und eine Feststellung über die Parameter besser Rahmenbedingungen, die von welchem der Theoreme betrachtet werden ...
... und ja, mathematisch gesehen läßt sich jede Formel auch so umstellen, daß man die Nulldurchgänge neu berechnen kann ... die zu beantwortende Frage lautet dann aber, ob das sinnvoll ist und ob man dabei alle Faktoren richtig berücksichtigt hat ...
... wir haben es hier immerhin mit einer Differentialgleichung n-ter Ordnung mit m unbekannten zu tun ... deren Lösung ist rein mathematisch betrachtet erstmal nicht eineindeutig ... und je mehr Annahmen zur Definition einer Variable führten, desto weniger genau läßt sich diese Differentialgleichung auch ummodeln ...
... und schon sind wir wieder bei der Relevanz ... also welche Relevanz hat die Veränderung einer Annahme oder einer Definition ...
... bei resultierenden Klirranteilen von 0,4 bis 1,2 % liegen diese i.d.R. z.B. gute 50 bis 80 Prozent unter dem Klirr, den ein handelsüblicher Lautsprecher produziert ...
... die Veränderung von z.B. 0,4% auf 0,36% wird man mit dem Ohr also überhaupt nicht feststellen können ...
Auf der anderen Seite macht es konstruktiv bzw. mechanisch betrachtet sehr wohl einen Unterschied, ob eine Justage dazu führt, daß das Vertikallager einseitig belastet wird oder nicht ...
... wir es einseitig belastet, so wird die Bewegungsfreiheit des Vertikallagers eingeschränkt und die Variation der Auflagekraft während der Abtastung nimmt zu ... darüber steigen die Abtastverzerrungen dann merklich an ...
... und deshalb macht in meinen Augen die rein zweidimensionale Betrachtungsweise einer Justage keinen echten Sinn ... und all diese Graphen berücksichtigen z.B. nur den tangentialen Spurfehlerwinkel ... nicht aber die einseitige Belastung des Vertrikallagers und dessen Auswirkungen ...
... und mit diesem Punkt bin ich dann bei Rother, Ikegami und Hoshimi ... und ausschließlich den Herstellerangaben für Überhang, Kröpfung und Nulldurchgänge.
Aber wie bereits gesagt, das darf/ kann/ soll jeder halten wie ein Dachdecker ...
... ich habe für mich nur festgestellt, daß ich damit die besseren Ergebnisse erhalte ...