Theorie zu Tonarmen sowie TA-Nadeln + Abtastung
Verfasst: Fr 14. Sep 2007, 11:37
Hallo Zusammen,
ich möchte heute unsere "Knowledgebase" zu Tonarmen weiter füllen und bereits an anderer Stelle nur begonnene Überlegungen zu den Tonarmlagern hier nun vollständig sammeln und vorstellen.
An einem Tonarm finden wir zwei Lager; mit Horizontallager (HL) wird jenes Lager beschrieben, welches die Bewegung des Tonarmes auf einer Kreisbahn über die Schallplatte vollführt und mit Vertikallager (VL) jenes Lager, welches die Bewegung in vertikaler Richtung, z.B. beim Absenken des Tonarmes auf die Schallplatte, erlaubt.
Etwas Theorie zur Schallplatte
Schriftarten bei Schallplatten (*):
Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Gravurverfahren und Gravurarten.
Es existieren im Wesentlichen drei unterschiedliche Gravurverfahren, von denen zwei noch heute verwendet werden. Die Größe der Rille ist im Laufe der Jahre immer weiter verringert worden. Die heute allgemein verwendete Mikrorille hat unmoduliert eine Breite von 40 µm, der Rillengrund ist dabei mit einem Radius von ca. 8µm verrundet. Der Rillenabstand beträgt bei linearem Vorschub ohne Verwendung von Füllschrift etwa 70µm.
Tiefenschrift (Vertikalschrift):
Bei der von Edison verwendeten Tiefenschrift wird die Information durch die Eintauchtiefe des Schneidstichels in die Schallplatte eingeprägt. Die Tiefe ist direkt proportional zur Amplitude des aufgezeichneten Signales. Die maximale aufzuzeichnende Amplitude ist gering, da die Eintauchtiefe nicht beliebig groß werden kann. Um hohe Frequenzen wiedergeben zu können, muss die Nadel den Vertiefungen der Rille zudem sehr schnell folgen. Um dieses zu erreichen, musste die Auflagekraft des Tonabnehmers vergrößert werden.
Seitenschrift:
Bei der 1877 von Emil Berliner eingeführten Seitenschrift ist die Information in der horizontalen Auslenkung der Rille eingeprägt. Der Vorteil gegenüber der Tiefenschrift ist ein größerer Dynamikbereich und die einfachere Herstellung von Kopien. Auch ist im Gegensatz zur Tiefenschrift das Knistern deutlich reduziert. Die Seitenschrift wurde bei Grammophonen und frühen Plattenspielern verwendet. Sie ist nur für Mono geeignet und lenkte bei Grammophonen über eine Stahlnadel direkt eine in einen Trichter mündende Membran aus. Beim Abspielen einer Mono-Schallplatte in Seitenschrift mit einem Stereo-Tonabnehmer wird auf beiden Wiedergabekanälen das Monosignal wiedergegeben.
Flankenschrift:
Die von Alan Blumlein bereits um 1930 entwickelte, aber erst 1957 von der EMI vermarktete Flankenschrift ermöglichte erstmals monokompatible Stereo-Aufzeichnungen. Die Schallinformation für den linken und rechten Kanal wird dabei in die 45°-Flanken der Rille eingeprägt. In der innenliegenden Flanke wird dabei der linke Kanal, in der außenliegenden Rillenflanke der rechte Kanal abgespeichert. Die Richtung der Auslenkung des Schneidstichels ist dabei so gewählt, dass ein Monosignal, das mit einem Stereoschneidkopf aufgezeichnet wird, eine Seitenschrift erzeugt. Hierdurch ist Abwärtskompatibilität zu Mono-Systemen gewährleistet: Wenn eine Stereo-Schallplatte auf einem Mono-Abspielgerät wiedergegeben wird, wird lediglich die horizontale Auslenkung der Rille wiedergegeben. Diese entspricht der Summe (L + R) beider Kanäle.
Rheinsches Füllschriftverfahren:
Die Füllschrift wurde 1950 von Eduard Rhein erfunden und ist keine eigene neue Plattenschriftart, sondern bezeichnet vielmehr die aussteuerungsabhängige Steuerung des Rillenabstandes auf dem Tonträger. Sie wurde entwickelt, um die Spieldauer weiter zu erhöhen. Da die seitliche Auslenkung der aufgezeichneten Rille von der Lautstärke des Tonmaterials abhängt, kann der Rillenabstand bei leisen Passagen verringert werden. In der Praxis wird hierzu das aufzuzeichnende Material zeitlich vor dem Schneidkopf abgehört. Der Rillenvorschub wird dann durch die Lautstärke beeinflusst. Die durch die Verwendung der Füllschrift anstelle des konstanten, linearen Rillenabstandes gewonnene zusätzliche Spieldauer ist programmabhängig, bei Sprache am höchsten und lässt sich bei Musik bis auf das 1,7-fache erhöhen. Das Wort "Füllschrift" war sehr werbewirksam, weil es auch einen "volleren" Klang suggerierte.
Schallrillenmodulation (**):
Die Schallrille wird mit beiden Modulationen versehen, zu jeder Modulation (A bzw. B) gehört eine der beiden um 45° gegen die Plattenoberfläche geneigten Bewegungsrichtungen des Stichels und folglich auch der Abtastnadel.
Der Winkel von 45° gilt nicht nur für die Bewegungsrichtungen des Stichels und der Nadel, sondern ebenso auch für die Seitenflanken des Stichels.
Beim alleinigen Schallaufzeichnen für einen der beiden Kanäle bewegt sich somit der Stichel parallel zu einer seiner Seitenflanken. Daraus folgt: Stichelbewegungen zur Schallaufzeichnung von Schall für einen Kanal allein belassen die eine der zwei Rillenkanten gerade (Bilder 6a und b).
[img:727:583]http://img209.imageshack.us/img209/2447 ... ionpi6.gif[/img]
In den Bildern 6a und b sind die Vorzeichen der Stichelbewegungen einander derart zugeordnet, wie das dort durch die Pfeilspitzen und Pluszeichen angedeutet ist. Bei Schalleinstrahlung genau von vorn (Richtung l in Bild 2) gehört hier im selben Augenblick zum einen Kanal die Stichelbewegung schräg nach oben und zum anderen Kanal schräg nach unten.
Bei Schalleinstrahlung genau von vorn werden beide Kanäle völlig gleich beeinflußt. Der Stichel führt hierzu die Summe der Bewegungen von Bild 6a und 6b aus. So ergibt sich der Fall von Bild 6c: Die resultierende Stichelbewegung erfolgt daher in der Waagerechten. Die senkrechten Komponenten haben entgegengesetzte Vorzeichen. Sie heben sich gegenseitig auf. Ebenso wie bei der üblichen Einkanal-Aufzeichnung entsteht folglich mit den gewählten Vorzeichen der Bewegungsrichtungen für Schalleinstrahlung genau von vorn reine Seitenschrift.
Bei Schalleinstrahlung aus der Querrichtung (III bzw. III' in Bild 2) sind die Vorzeichen der zwei Modulationen einander entgegengesetzt (siehe Bilder 1 und 2). Dazu gehört die Summe der Stichelbewegungen gemäß Bild 6a und 6d, wobei d aus b durch Vorzeichenumkehr hervorgegangen ist. Die resultierende Stichelbewegung erfolgt hier in senkrechter Richtung. Die waagerechten Komponenten sind entgegengesetzt gleich. Das gibt für sie die Summe Null. Damit entsteht eine reine Tiefenschrift (Bild 6e).
Kanal-Zuordnung (**):
Rechter und linker Kanal gelten für rechten und linken Lautsprecher vom Zuhörer aus gesehen.
Beim Schneiden der modulierten Rille sind die Richtungen der Stichelbewegungen beiden Kanälen folgendermaßen zugeordnet (Bild 7):
[img:447:322]http://img209.imageshack.us/img209/6160 ... ungmx1.gif[/img]
Die Richtung der Stichelbewegung zur Modulation des linken Kanals überkreuzt die Verlängerung der Plattenteller-Drehachse unterhalb des Plattentellers. Für die Richtung der Stichelbewegung zur Modulation des rechten Kanals liegt die Überkreuzung oberhalb des Plattentellers.
Bild 8 zeigt den Grundriß zu Bild 7 mit den beiden Modulationen für die zwei Kanäle.
"inside left" besagt: Die an der Rillen-Innenkante sich zeigende Modulation ist dem linken Kanal zugeordnet.
[img:417:260]http://img209.imageshack.us/img209/791/ ... eftqi1.gif[/img]
Seitenschrift, Tiefenschrift und elliptische Schrift (**):
Die Vorzeichen der zu den Modulationen gehörenden Bewegungen des Schneidstichels bzw. der Abtastnadel sind so gewählt,
daß einander gleiche, gleichphasige Signale reine Seitenschritt (Bilder 9 u. 6c)
und einander gleiche, gegenphasigeSignale reine Tiefenschrift (Bilder 10 u. 6e) ergeben.
[img:613:261]http://img209.imageshack.us/img209/117/bewegungnk5.gif[/img]
[img:628:264]http://img209.imageshack.us/img209/6503 ... ng1kj8.gif[/img]
Zu beliebigen Signalen gehören Nadelbewegungen aller Richtungen (Bild 11). Damit erhält man für gleiche Aussteuerung von Summe und Differenz als Arbeitsfläche des Nadelkuppen-Mittelpunktes einen Kreis. Das heißt: Der Nadelkuppen-Mittelpunkt kann innerhalb des Kreises augenblicksweise jede Stellung einnehmen. Diese Arbeitsfläche gilt für schwache Signale und damit für kleine Auslenkungen durchweg.
[img:296:220]http://img209.imageshack.us/img209/8647 ... ng2ks4.gif[/img]
Große Auslenkungen schwächt man hinsichtlich der Differenz der Signale, also gemäß Bild 6e für die Tiefenschrift ab. Damit ergibt sich für große Auslenkungen des Schneidstichels und folglich auch für die der Nadel als Arbeitsfläche anstelle eines Kreises eine Ellipse, deren senkrechte Achse kleiner ist als deren waagerechte Achse (Bild 12, elliptische Schrift).
[img:301:221]http://img209.imageshack.us/img209/5762 ... ng3vj5.gif[/img]
Große Auslenkungen kommen fast nur für Schallanteile mit tiefen Frequenzen in Frage. Das Abschwächen der Tiefenschrift ist zulässig, weil die Schallanteile mit niedrigen Frequenzen zum stereophonen Eindruck nichts beitragen und sich das Abschwächen ohnehin nur auf kurze Zeitspannen beschränkt.
Man schwächt die Tiefenschrift für große Auslenkungen aus zwei Gründen ab:
-> Man erleichtert dadurch das einkanalige Abspielen mit den bisherigen Plattenspielern, die mit Seitenschriftabtastern ausgerüstet sind. Deren Nadel kann nämlich größeren Auslenkungen der Tiefenschrift nicht gut folgen. Die elliptische Schrift trägt somit zur Kompatibilität der Stereo-Schallplatten wesentlich bei.
-> Man erspart durch Abschwächen der Tiefenauslenkungen sich sonst ergebende Rillenverbreiterungen und kann demzufolge die Rillenfläche besser ausnutzen, was zu größerer Spieldauer je Plattenseite führt.
Der Schneidfrequenzgang: (**)
Dieser entspricht grundsätzlich dem der Einkanalplatten gemäß DIN 45533/36/37 (Bild 13). Für das Abschwächen der Tiefenauslenkung gibt es keine Variante des Schneidfrequenzganges, weil dieses Abschwächen primär nicht mit der Frequenz, sondern mit der Tiefenauslenkung zusammenhängt.
[img:593:333]http://img209.imageshack.us/img209/2343 ... angat4.gif[/img]
Zahlenwerte zu Rille und Nadel (Bild 16) (**):
Minimale Rillenbreite: 40 µ
Rillengrund-Abrundungshalbmesser: 5 µ
Nadelkuppen-Abrundungshalbmesser: 15 µ
Auflagekraft (zunächst): 6 ... 7 p
Aufzeichnungsrichtungen zu AB-Aufnahme: 45°
Rillen-Öffnungswinkel: 90°
Schnelle für Vollaussteuerung bei 1 kHz: 8 cm/s
Übersprechdämpfung zwischen beiden Kanälen: >26 dB.
[img:229:218]http://img209.imageshack.us/img209/6766 ... delmi8.gif[/img]
Um diese Übersprechdämpfung zu wahren, muß der Abtaster zur Plattenoberfläche genau senkrecht ausgerichtet sein.
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Quellenverzeichnis:
(*) Wikipedia: Die Schallplatte und Plattenschriftarten
(**) Telefunken-Taschenbuch Röhren und Halbleiter Ausgabe 1960. Herausgeber: Telefunken GmbH, Geschäftsbereich Röhren, Vertrieb, Ulm/Donau, Söflinger Straße 100, © 1959 by Telefunken GmbH, Ulm/Donau
ich möchte heute unsere "Knowledgebase" zu Tonarmen weiter füllen und bereits an anderer Stelle nur begonnene Überlegungen zu den Tonarmlagern hier nun vollständig sammeln und vorstellen.
An einem Tonarm finden wir zwei Lager; mit Horizontallager (HL) wird jenes Lager beschrieben, welches die Bewegung des Tonarmes auf einer Kreisbahn über die Schallplatte vollführt und mit Vertikallager (VL) jenes Lager, welches die Bewegung in vertikaler Richtung, z.B. beim Absenken des Tonarmes auf die Schallplatte, erlaubt.
Etwas Theorie zur Schallplatte
Schriftarten bei Schallplatten (*):
Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Gravurverfahren und Gravurarten.
Es existieren im Wesentlichen drei unterschiedliche Gravurverfahren, von denen zwei noch heute verwendet werden. Die Größe der Rille ist im Laufe der Jahre immer weiter verringert worden. Die heute allgemein verwendete Mikrorille hat unmoduliert eine Breite von 40 µm, der Rillengrund ist dabei mit einem Radius von ca. 8µm verrundet. Der Rillenabstand beträgt bei linearem Vorschub ohne Verwendung von Füllschrift etwa 70µm.
Tiefenschrift (Vertikalschrift):
Bei der von Edison verwendeten Tiefenschrift wird die Information durch die Eintauchtiefe des Schneidstichels in die Schallplatte eingeprägt. Die Tiefe ist direkt proportional zur Amplitude des aufgezeichneten Signales. Die maximale aufzuzeichnende Amplitude ist gering, da die Eintauchtiefe nicht beliebig groß werden kann. Um hohe Frequenzen wiedergeben zu können, muss die Nadel den Vertiefungen der Rille zudem sehr schnell folgen. Um dieses zu erreichen, musste die Auflagekraft des Tonabnehmers vergrößert werden.
Seitenschrift:
Bei der 1877 von Emil Berliner eingeführten Seitenschrift ist die Information in der horizontalen Auslenkung der Rille eingeprägt. Der Vorteil gegenüber der Tiefenschrift ist ein größerer Dynamikbereich und die einfachere Herstellung von Kopien. Auch ist im Gegensatz zur Tiefenschrift das Knistern deutlich reduziert. Die Seitenschrift wurde bei Grammophonen und frühen Plattenspielern verwendet. Sie ist nur für Mono geeignet und lenkte bei Grammophonen über eine Stahlnadel direkt eine in einen Trichter mündende Membran aus. Beim Abspielen einer Mono-Schallplatte in Seitenschrift mit einem Stereo-Tonabnehmer wird auf beiden Wiedergabekanälen das Monosignal wiedergegeben.
Flankenschrift:
Die von Alan Blumlein bereits um 1930 entwickelte, aber erst 1957 von der EMI vermarktete Flankenschrift ermöglichte erstmals monokompatible Stereo-Aufzeichnungen. Die Schallinformation für den linken und rechten Kanal wird dabei in die 45°-Flanken der Rille eingeprägt. In der innenliegenden Flanke wird dabei der linke Kanal, in der außenliegenden Rillenflanke der rechte Kanal abgespeichert. Die Richtung der Auslenkung des Schneidstichels ist dabei so gewählt, dass ein Monosignal, das mit einem Stereoschneidkopf aufgezeichnet wird, eine Seitenschrift erzeugt. Hierdurch ist Abwärtskompatibilität zu Mono-Systemen gewährleistet: Wenn eine Stereo-Schallplatte auf einem Mono-Abspielgerät wiedergegeben wird, wird lediglich die horizontale Auslenkung der Rille wiedergegeben. Diese entspricht der Summe (L + R) beider Kanäle.
Rheinsches Füllschriftverfahren:
Die Füllschrift wurde 1950 von Eduard Rhein erfunden und ist keine eigene neue Plattenschriftart, sondern bezeichnet vielmehr die aussteuerungsabhängige Steuerung des Rillenabstandes auf dem Tonträger. Sie wurde entwickelt, um die Spieldauer weiter zu erhöhen. Da die seitliche Auslenkung der aufgezeichneten Rille von der Lautstärke des Tonmaterials abhängt, kann der Rillenabstand bei leisen Passagen verringert werden. In der Praxis wird hierzu das aufzuzeichnende Material zeitlich vor dem Schneidkopf abgehört. Der Rillenvorschub wird dann durch die Lautstärke beeinflusst. Die durch die Verwendung der Füllschrift anstelle des konstanten, linearen Rillenabstandes gewonnene zusätzliche Spieldauer ist programmabhängig, bei Sprache am höchsten und lässt sich bei Musik bis auf das 1,7-fache erhöhen. Das Wort "Füllschrift" war sehr werbewirksam, weil es auch einen "volleren" Klang suggerierte.
Schallrillenmodulation (**):
Die Schallrille wird mit beiden Modulationen versehen, zu jeder Modulation (A bzw. B) gehört eine der beiden um 45° gegen die Plattenoberfläche geneigten Bewegungsrichtungen des Stichels und folglich auch der Abtastnadel.
Der Winkel von 45° gilt nicht nur für die Bewegungsrichtungen des Stichels und der Nadel, sondern ebenso auch für die Seitenflanken des Stichels.
Beim alleinigen Schallaufzeichnen für einen der beiden Kanäle bewegt sich somit der Stichel parallel zu einer seiner Seitenflanken. Daraus folgt: Stichelbewegungen zur Schallaufzeichnung von Schall für einen Kanal allein belassen die eine der zwei Rillenkanten gerade (Bilder 6a und b).
[img:727:583]http://img209.imageshack.us/img209/2447 ... ionpi6.gif[/img]
In den Bildern 6a und b sind die Vorzeichen der Stichelbewegungen einander derart zugeordnet, wie das dort durch die Pfeilspitzen und Pluszeichen angedeutet ist. Bei Schalleinstrahlung genau von vorn (Richtung l in Bild 2) gehört hier im selben Augenblick zum einen Kanal die Stichelbewegung schräg nach oben und zum anderen Kanal schräg nach unten.
Bei Schalleinstrahlung genau von vorn werden beide Kanäle völlig gleich beeinflußt. Der Stichel führt hierzu die Summe der Bewegungen von Bild 6a und 6b aus. So ergibt sich der Fall von Bild 6c: Die resultierende Stichelbewegung erfolgt daher in der Waagerechten. Die senkrechten Komponenten haben entgegengesetzte Vorzeichen. Sie heben sich gegenseitig auf. Ebenso wie bei der üblichen Einkanal-Aufzeichnung entsteht folglich mit den gewählten Vorzeichen der Bewegungsrichtungen für Schalleinstrahlung genau von vorn reine Seitenschrift.
Bei Schalleinstrahlung aus der Querrichtung (III bzw. III' in Bild 2) sind die Vorzeichen der zwei Modulationen einander entgegengesetzt (siehe Bilder 1 und 2). Dazu gehört die Summe der Stichelbewegungen gemäß Bild 6a und 6d, wobei d aus b durch Vorzeichenumkehr hervorgegangen ist. Die resultierende Stichelbewegung erfolgt hier in senkrechter Richtung. Die waagerechten Komponenten sind entgegengesetzt gleich. Das gibt für sie die Summe Null. Damit entsteht eine reine Tiefenschrift (Bild 6e).
Kanal-Zuordnung (**):
Rechter und linker Kanal gelten für rechten und linken Lautsprecher vom Zuhörer aus gesehen.
Beim Schneiden der modulierten Rille sind die Richtungen der Stichelbewegungen beiden Kanälen folgendermaßen zugeordnet (Bild 7):
[img:447:322]http://img209.imageshack.us/img209/6160 ... ungmx1.gif[/img]
Die Richtung der Stichelbewegung zur Modulation des linken Kanals überkreuzt die Verlängerung der Plattenteller-Drehachse unterhalb des Plattentellers. Für die Richtung der Stichelbewegung zur Modulation des rechten Kanals liegt die Überkreuzung oberhalb des Plattentellers.
Bild 8 zeigt den Grundriß zu Bild 7 mit den beiden Modulationen für die zwei Kanäle.
"inside left" besagt: Die an der Rillen-Innenkante sich zeigende Modulation ist dem linken Kanal zugeordnet.
[img:417:260]http://img209.imageshack.us/img209/791/ ... eftqi1.gif[/img]
Seitenschrift, Tiefenschrift und elliptische Schrift (**):
Die Vorzeichen der zu den Modulationen gehörenden Bewegungen des Schneidstichels bzw. der Abtastnadel sind so gewählt,
daß einander gleiche, gleichphasige Signale reine Seitenschritt (Bilder 9 u. 6c)
und einander gleiche, gegenphasigeSignale reine Tiefenschrift (Bilder 10 u. 6e) ergeben.
[img:613:261]http://img209.imageshack.us/img209/117/bewegungnk5.gif[/img]
[img:628:264]http://img209.imageshack.us/img209/6503 ... ng1kj8.gif[/img]
Zu beliebigen Signalen gehören Nadelbewegungen aller Richtungen (Bild 11). Damit erhält man für gleiche Aussteuerung von Summe und Differenz als Arbeitsfläche des Nadelkuppen-Mittelpunktes einen Kreis. Das heißt: Der Nadelkuppen-Mittelpunkt kann innerhalb des Kreises augenblicksweise jede Stellung einnehmen. Diese Arbeitsfläche gilt für schwache Signale und damit für kleine Auslenkungen durchweg.
[img:296:220]http://img209.imageshack.us/img209/8647 ... ng2ks4.gif[/img]
Große Auslenkungen schwächt man hinsichtlich der Differenz der Signale, also gemäß Bild 6e für die Tiefenschrift ab. Damit ergibt sich für große Auslenkungen des Schneidstichels und folglich auch für die der Nadel als Arbeitsfläche anstelle eines Kreises eine Ellipse, deren senkrechte Achse kleiner ist als deren waagerechte Achse (Bild 12, elliptische Schrift).
[img:301:221]http://img209.imageshack.us/img209/5762 ... ng3vj5.gif[/img]
Große Auslenkungen kommen fast nur für Schallanteile mit tiefen Frequenzen in Frage. Das Abschwächen der Tiefenschrift ist zulässig, weil die Schallanteile mit niedrigen Frequenzen zum stereophonen Eindruck nichts beitragen und sich das Abschwächen ohnehin nur auf kurze Zeitspannen beschränkt.
Man schwächt die Tiefenschrift für große Auslenkungen aus zwei Gründen ab:
-> Man erleichtert dadurch das einkanalige Abspielen mit den bisherigen Plattenspielern, die mit Seitenschriftabtastern ausgerüstet sind. Deren Nadel kann nämlich größeren Auslenkungen der Tiefenschrift nicht gut folgen. Die elliptische Schrift trägt somit zur Kompatibilität der Stereo-Schallplatten wesentlich bei.
-> Man erspart durch Abschwächen der Tiefenauslenkungen sich sonst ergebende Rillenverbreiterungen und kann demzufolge die Rillenfläche besser ausnutzen, was zu größerer Spieldauer je Plattenseite führt.
Der Schneidfrequenzgang: (**)
Dieser entspricht grundsätzlich dem der Einkanalplatten gemäß DIN 45533/36/37 (Bild 13). Für das Abschwächen der Tiefenauslenkung gibt es keine Variante des Schneidfrequenzganges, weil dieses Abschwächen primär nicht mit der Frequenz, sondern mit der Tiefenauslenkung zusammenhängt.
[img:593:333]http://img209.imageshack.us/img209/2343 ... angat4.gif[/img]
Zahlenwerte zu Rille und Nadel (Bild 16) (**):
Minimale Rillenbreite: 40 µ
Rillengrund-Abrundungshalbmesser: 5 µ
Nadelkuppen-Abrundungshalbmesser: 15 µ
Auflagekraft (zunächst): 6 ... 7 p
Aufzeichnungsrichtungen zu AB-Aufnahme: 45°
Rillen-Öffnungswinkel: 90°
Schnelle für Vollaussteuerung bei 1 kHz: 8 cm/s
Übersprechdämpfung zwischen beiden Kanälen: >26 dB.
[img:229:218]http://img209.imageshack.us/img209/6766 ... delmi8.gif[/img]
Um diese Übersprechdämpfung zu wahren, muß der Abtaster zur Plattenoberfläche genau senkrecht ausgerichtet sein.
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Quellenverzeichnis:
(*) Wikipedia: Die Schallplatte und Plattenschriftarten
(**) Telefunken-Taschenbuch Röhren und Halbleiter Ausgabe 1960. Herausgeber: Telefunken GmbH, Geschäftsbereich Röhren, Vertrieb, Ulm/Donau, Söflinger Straße 100, © 1959 by Telefunken GmbH, Ulm/Donau