Hallo,
tomwip hat geschrieben:ich kann Dir zwar grad nicht folgen, aber ich denke für 19 Euro zuzüglich Versand kann man fürs Gelegenheits-radio-hören nix falsch machen.
dann will ich mal erklären. Für den Preis wird das Gerät schon gehen, aber es ist auch nichts, wovon man mehr als durchschnittliche Empfangsleistungen erwarten kann.
tomwip hat geschrieben:was heißt denn 08/15 ?
Naja, das Gerät wird vom technischen Aufwand her eben nur Mittelmaß sein.
tomwip hat geschrieben:Ich dachte, analog -> Trommel-Kondensator usw. wäre das A und O ?
Nein, der Drehkondensator alleine bringt es bei weitem nicht (ich habe einen alten Loewe hier mit fünffach abgestimmtem C-Dioden-Tuner und 15 ZF-Kreisen, der steckt so manches Haitech in die Tasche).
Maßgeblich für den Aufwand bei einem Tuner sind die Beschaffenheit der ZF-Verstärker/Begrenzer/Demodulator (der erledigt die eigentliche Selektion) und der Aufwand, der im Eingangsteil betrieben wird.
Auf UKW dreifachabgestimmte Eingangsteile haben eigentlich alle einfachen Geräte.
Will man etwas bessere Leistungen, führt an einem Vierfachdrehko kein Weg vorbei. Das Ganze läßt sich noch steigern bis zu Zehnfachdrehkos (im Wega Lab Zero), diese große Zahl abgestimmter Kreise bringt aber ein Abgleichproblem mit sich, weil ein zufriedenstellender Gleichlauf der Kreise nur schwer zu erreichen ist. Das Optimum wird bei vielleicht 4-5 abgestimmten FM-Kreisen liegen.
Bei den AM-Bereichen sieht das etwas anders aus, hier sind zwei abgestimmte Kreise Standard, drei sind schon was Besonderes.
Bei Röhrengeräten findet man normalerweise zwei oder drei abgestimmte FM-Kreise und zwei oder drei auf AM.
Zurück zur ZF: Hier ist nicht nur der Aufwand entscheidend (sieben Piezofilter im Marantz 120 und er verliert trotzdem gegen einen Hartmannsdorfer Hasenstall), sondern auch die Abgleichbarkeit. Hier sind LC-Kreise im Vorteil.
Außerdem darf sich die Durchlaßkurve bei durch stärkere Signale einsetzende Begrenzung (beseitigt Rest-AM) nicht verformen.
Der Demodulator muß sehr linear und auchbreitbandiger sein als der ZF-Verstärker, er kann auch zusätzlich begrenzen, muß aber nicht.
MPX-Filter und Stereodecoder sind noch einmal entscheidend.
Ohne ordentliche Tunerbüchse / ZF / Demodulator kann aber ein Stereodecoder auch nicht zufriedenstellend arbeiten, ein Decoder muß auch immer auf ein Gerät abgeglichen werden.
Man kann nicht einfach (wie die Amis in den 60er Jahren) an irgendeinen Tuner irgendeine Decoderbüchse ranstecken und sich einbilden es wäre Stereo, nur weil zufällig mal in einem Kanal was anderes zu hören ist als im Anderen.
Hinterher gehören Pilottonfilter, die sind wichtig, um die 19 und 38kHz auszufiltern. Wird das nur rudimentär gemacht, dann bringen diese Pilottonreste evtl. Aufzeichnungsgeräte durcheinander.
Thema Deemphasis (passiert nach dem Decoder): ist in Deutschland 50µs, in USA 75µs. Viele Leute freuen sich über ihre rauscharmen Amituner und haben tw. nur die falsche Deemphasis, welche die hohen Töne über Gebühr absenkt...
Tunerbau ist die hohe Schule der Elektronik. NF-Verstärker und Ähnliches ist dagegen recht simpel.
MfG
DB