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Tausch FU-29 gegen GU-29

Verfasst: Do 3. Mai 2012, 14:46
von MPC561
Hallo,
ich habe mir einen der "günstigen" FU-29 Röhrenverstärker aus China importiert. Nun wollte ich die FU-29 gegen die GU-29 ersetzen.

Dabei kam es jedoch zu Problemen. Gleich beim einschalten leuchtete die eine der beiden GU-29 bläulich und es machte nach ein paar Sekunden Puff.

Die zweite Röhre fing an ganz brav normal zu glühen und es war auch auf dem Lautsprecher dieses Kanals Musik zu vernehmen. Dann aber nach ein paar Sekunden mehr fing auch das Gitter an zu glühen. Ich habe dann sicherheitshalber abgeschaltet.

Mit den FU-29 funktioniert der Vertärker weiterhin, es wurde also scheinbar nichts beschädigt. BIAS hatte ich übrigens mit den FU-29 nach einer Woche Betrieb neu justiert. Empfehlung aus Foren und von meinem Händler war 0,5V über 10 Ohm, sprich 50mA. Laut GU-29 Spezifikation liegt das im grünen Bereich zwischen 32 und 100mA.


Nun meine Frage. Wie kann es zu diesen beiden unterschiedlichen Effekten kommen? GU-29 beschädigt? Evtl. kein Vakuum mehr in der Röhre sprich undicht? Blaues Glimmen spricht ja eigentlich für Restgas bzw. Undichtheit?


MfG,
--
MPC561

Verfasst: Do 3. Mai 2012, 15:39
von mb-de
Hallo Namenloser,

hast Du die GU-29 aus zuverlaessiger Quelle bezogen, die selbige vorher prueft?

Wenn nein, war Dein Feuerwerk keine Ueberraschung - da wirst Du wohl defekte Exemplare erwischt haben, von denen recht viele im Umlauf sind.

Ausserdem musst Du den Ruhestrom fuer Neuroehren sofort nach dem Stecken einstellen. Und vor dem Stecken der Neuroehren muss man den Ruhestrom mit den alten Roehren erst auf den Minimalwert stellen - dann nach Stecken und 5 min Anheizzeit vorsichtig nachregulieren.

Unter normalen Umstaenden sind intakte GU-29 sehr deutlich stabiler und zuverlaessiger als CN-Equivalente (trifft auch fuer die GU-32 und die GMI-6 zu)...

Gruesse

Micha
=->

Verfasst: Do 3. Mai 2012, 16:15
von MPC561
mb-de hat geschrieben: hast Du die GU-29 aus zuverlaessiger Quelle bezogen, die selbige vorher prueft?
Hallo Micha,
war ein Ebay-Händler aus Ungarn mit ausschliesslich positiven Rezensionen. Die Möglichkeit die Röhren zu prüfen habe ich nicht. Wobei es da eher am notwendigen Fachwissen mangelt. Ich muss mich da noch einlesen.

mb-de hat geschrieben: Wenn nein, war Dein Feuerwerk keine Ueberraschung - da wirst Du wohl defekte Exemplare erwischt haben, von denen recht viele im Umlauf sind.
Aha, auch eine gute Info. Die Frage hier hat den Hintergrund das ich eruieren wollte ob die Röhre oder der Chinakracher das Problem ist. Ich denke mal du fokusierst Dich auch mehr auf die Röhre. Dann kann ich den EBayhändler kontaktieren und Ersatz fordern.

mb-de hat geschrieben: Ausserdem musst Du den Ruhestrom fuer Neuroehren sofort nach dem Stecken einstellen. Und vor dem Stecken der Neuroehren muss man den Ruhestrom mit den alten Roehren erst auf den Minimalwert stellen - dann nach Stecken und 5 min Anheizzeit vorsichtig nachregulieren.
Der Tip ist gut. Das werde ich beim nächsten mal tun. Wobei das nachregeln beim FU-29 wie eine Operation am offenen Herzen ist. Geht nur intern und nicht über externe potis bzw. Messmöglichkeiten. Also wenn ich recht verstehe noch mit FU-29 auf Minimalwert stellen, dann Verstärker ausschalten, Röhre tauschen, wieder anschalten, sofort messen und nachregulieren.

mb-de hat geschrieben: Unter normalen Umstaenden sind intakte GU-29 sehr deutlich stabiler und zuverlaessiger als CN-Equivalente (trifft auch fuer die GU-32 und die GMI-6 zu)...
Das hatte ich ja auch gelesen und wollte deswegen die FU-29 ersetzen und diese dann als "Notfall" Ersatz behalten.

Gruss,
Joerg.

Verfasst: Do 3. Mai 2012, 16:43
von mb-de
Hallo Joerg,

das ist beinahe korrekt:
.... Also wenn ich recht verstehe noch mit FU-29 auf Minimalwert stellen, dann Verstärker ausschalten, Röhre tauschen, wieder anschalten, sofort messen und nachregulieren.
Man muss den Roehren einige Minuten Aufwaermzeit geben, bevor man den Arbeitspunkt einstellt - und dann im Laufe der folgenden Stunden/Tage regelmaessig kontrollieren.

Es ist wichtig, vor dem Einsetzen von Neuroehren den Ruhestrom auf Minimum einzustellen - die Neuroehren koennten steiler sein oder eine bessere Emission haben als die vorher gesteckten Roehren, mit dem Resultat, dass die negative Gittervorspannung der alten Rohren fuer die neuen zu klein ist, und diese dann 'durchgehen'.

Ansonsten:
Die Frage hier hat den Hintergrund das ich eruieren wollte ob die Röhre oder der Chinakracher das Problem ist. Ich denke mal du fokusierst Dich auch mehr auf die Röhre.
Das ist erst einmal die Erstannahme. Allerdings weiss ich nicht, bei welcher Spannung Schirmgitter und Anoden der GU-29 in Deinem Verstaerker betrieben werden. Die Werte koennnten am oberen Ende des Ertraeglichen (sprich ausserhalb des zulaessigen Bereiches) liegen - und dann das Geraet zum "Roehrenfresser" machen.

Cayin hatte mal einen Verstaerker im Programm, der genau dies machte - mit RCA-829B 'knallte' es dann regelmaessig (gluehende Schirmgitter und Anoden, bis sich das Schirmgitter verbog und einen Kurzschluss zur Katode verursachte)...

Bei Deiner Beschreibung (blaues Aufleuchten zwischen den Elektroden, "puff") denkt man zuerst an schlechtes Vakuum, was bei FU-29, GU-29, 829B, 5894 und Konsorten recht oft vorkommt - viele Metalldurchfuehrungen durchs Glas, manchmal ist dank Lagerungs- oder Produktionsproblemen eine ganze Charge 'leck'... ich erinnere mich an einen Karton mit 50 Stueck, von denen mehr als 90 % Totalausfaelle waren (uebrigens Mullard Blackburn-Produktion aus den fruehen 1950igern)...

Gruesse

Micha
=->

Verfasst: Do 3. Mai 2012, 17:59
von MPC561
Hallo,
dann werde ich deinen Empfehlungen bei der nächsten Ladung Röhren die ankommt folgen. Diesmal sind sie aus Litauen.

Die Heizspannung werde ich noch messen. Ich hatte auch schon in diversen Foren gelesen das die Chinesen bei der Heizspannung öfters mal bis 7,5V hochgehen können. Laut Datenblatt Pin 1,7 und 5 als Center zum messen bei der GU-29. Ich hatte eh geplant in meinem Sommerurlaub den Verstärker geringfügig zu überarbeiten, was bei mir bedeutet hätte Heizspannung messen und ggf. korrigieren, Koppelkondensatoren (0,47uF fake WIMA MKP) durch paar Mundorf oder Panasonic ersetzen, Widerstandswerte und Leistungen überprüfen und ggf. ersetzen.

Aber ich schweife ab. Du hast mir auf jeden Fall schonmal geholfen Micha. Vielen Dank!


Gruss,
Joerg.

Feedback

Verfasst: Mo 21. Mai 2012, 20:03
von MPC561
Hallo,
hier noch ein kurzes Feedback nachdem meine neuen Röhren angekommen sind.

Also zuerst mal zu den alten Röhren. Eine litt wirklich unter dekompression. Die andere war ok. Zumindest bis zu meinen Tausch.


Nun die Hintergründe. Die GU29 ist eine Doppeltetrode. Neben dem BIAS muss auch noch die Symetrierung abgeglichen werden, sprich zwei Potentiometer pro Kanal. Und genau da lag der Hase im Pfeffer. Mann sollte nämlich für jeden Stereokanal zwei Multimeter einestzen. Eines um den BIAS zu kontrollieren während man die Symetrierung justiert. Sprich Amp einschalten, paar Sekunden warten bis die Heizung anfängt und dann versuchen die Spannung der Symetrierung auf 0 zu bekommen. Dabei aufpassen das der BIAS nicht über 1 V schiesst (sprich 100mA). Wenn das passiert sofort abschalten und ein paar Sekunden warten bis die Energie abgeflossen ist. Das darum, weil mit zu heftigen schrauben am Poti das ganze auch noch lustig hochschwingt. Durch das abschalten wird das gestoppt. Mit wärmer werden der Röhre, Symetrierung nahe 0V und BIAS unter 1V dann solange warten bis die Röhre auf Betriebstemperatur ist. Dann die Feinjustage machen. Zuerst wieder Symetrierung so nahe an 0V wie es geht, dann ein bisschen warten und den BIAS auf 0,5V einstellen. Dann glüht auch nix mehr rot!

Danach das ganze beim 2. Kanal nochmal.
Der Verstärker klingt zwar Klasse aber die Justage ist ein Krampf. Vor allem die chinesischen Potis sind sowas von Grottenschlecht. Ich hab schon ein paar Mundorf MKP Kondensatoren für die Signalwege (Koppelkondensatoren) bestellt. Ich glaube ein paar Potis ordere ich auch noch nach.

Grüsse,
Joerg.

Re: Feedback

Verfasst: Fr 25. Mai 2012, 11:34
von mb-de
Hallo Joerg!

Erst mal Glueckwunsch, dass die "Kiste" wieder laeuft.

Dann etwas Manoeverkritik:
MPC561 hat geschrieben:Eine litt wirklich unter dekompression.
Vakuum schlecht/"Luft gezogen"?

Dekompression klingt seltsam, da das normalerweise bedeutet, dass hoher Druck reduziert wurde, und nicht, dass Luft in eine Roehre eindringt, also der Gasdruck im Inneren der Roehre erhoeht wird.
MPC561 hat geschrieben: ... Neben dem BIAS muss auch noch die Symetrierung abgeglichen werden, sprich zwei Potentiometer pro Kanal.......)
VORSICHT: Der Prozess ist nur einigermassen korrekt beschrieben, hat aber immer noch Fallstricke. Ausserdem ist die benutzte Terminologie fragwuerdig - da Strom und Spannung durcheinandergeworfen werden:

"Der BIAS Current (=Ruhestrom) betraegt x mA."
"Die Grid BIAS Voltage (=Gittervorspannung) betraegt y V."

Der Verstaerker hat also eine Kombination aus Ruhestrom- und Symmetrierpoti.

Korrekte Reihenfolge: Messgeraete anschliessen, Ruhestrompoti auf minimalen Ruhestromwert einstellen, Symmetrierpoti auf Mitte. Geraet abschalten, Roehren wechseln, Anodenanschluesse kontrollieren, einschalten, 10 min warmlaufen lassen (Ruhestrom beobachten - wenn er weglaeuft, Geraet abschalten, Roehre durch intaktes Exemplar ersetzen), dann erst den Ruhestrom, dann die Symmetrie einstellen, und iterativ auf korrekten Wert bei guter Symmetrie nachregulieren. Nach einigen Stunden Laufzeit wieder kontrollieren und nachstellen...
MPC561 hat geschrieben:...aber die Justage ist ein Krampf. Vor allem die chinesischen Potis sind sowas von Grottenschlecht. Ich glaube ein paar Potis ordere ich auch noch nach.
Das ist sinnvoll. Je nach Schaltung sind auch kurzfristige Kontaktprobleme bei den Ruhestrompotis toedlich (Priboj, anyone ?! :shock: ...).

Gruss

Micha
=->