Moin,
wie versprochen möchte ich euch nun der weitere Verlauf meiner „Weges“ schildern:
Die Entscheidung war dann letztendlich aus purer Überzeugung und gutem Bauchgefühl pro EAR ausgefallen. Also allen Krempel eingepackt und ab zum Händler.
Dort wurde ich mit den Worten „Das sieht so aus, als sei eine Entscheidung gefallen“ empfangen. Tja, die RG1 war somit wieder in die ursprünglichen Hände gewechselt, der EL34er wurde zurück ins Fenster gestellt.
Nach einigem Austausch (ich brauchte einige Minuten um mich zu sammeln, 3 Stk. schwere Verstärker aus’m Käfer ins Studio schleppen
hatte meinen Atmungszyklus leicht aus dem Tritt gebracht...) stellte ich mehr informativ als definitiv interessiert an weiteren Vorhaben die Frage „What’s next?“.
Die Virgo wäre ja ein sehr guter Lautsprecher, aber die Antwort läge im vorhandenen Portfolio quasi auf der Hand: „Zingali“. Ja , war mir eigentlich klar, habe diese Lautsprecher mehrfach als unterschiedliches Modell in diversen Anlagen hören dürfen. Immer sehr überzeugend, aber auch sehr teuer.
„Es gäbe da noch ein vorhandenes Modell Overture .2, die wäre natürlich das Sahnehäubchen“. Insgeheim hatte ich ja schon seit Jahren mit den Dingern geliebäugelt, aber der hohe Preis hatte mich dann immer abgeschreckt. Auch spielten die Virgos an der EAR-Elektronik recht famos, „aber kostenloses Ausprobieren schadet ja nichts“, fuhr es mir durch den Kopf.
Ich müsse aber erst den Vorstand befragen, das war aber schnell erledigt „mach das, was du eh nicht lassen kannst“, so meine bessere Hälfte zu dieser Thematik.
Am nächsten Tag also den armen Herbie mit zwei großen Kartons bepackt und ab nach Hause. Dort angekommen grosses Gelächter meiner Frau. „Und so bist du gefahren? Die müssen dich ja alle für total bekloppt halten!“
„Laber nich rum, pack lieber mit an“, entfuhr es mir ganz gentleman-like. Der Thronfolger sprang wie von der Tarantel gestochen um uns Lastenträger herum und wollte vehement den Inhalt der Kartons in Erfahrung bringen.
„Hier, kannste aufmachen und nachschauen“, was er dann auch tat. „Wow Papa, das sind ja neue Lautsprecher! Dann kann ich ja deine alten haben.“ Gar nicht uneigennützig der Butzer!! Aber den Zahn habe ich ihm schnell gezogen.
Die Virgos wurde durch meine Liebste und mir ins erste Stockwerk verfrachtet, dann die Zingalis aus dem Karton gestrippt. Einfach himmlische Verarbeitung, bestes Design, eine überragende Anfassqualität. Selbst die bei Vattern stehenden Sonus Faber-LS haben da einen schweren Stand und das will etwas heissen!!
Sinnigerweise passen die Ständer der Zingalis genau auf die Schieferplatten die bisher den Virgos einen festen Stand geboten hatten. Macht auch optisch etwas her, also rauf damit und kurz die Wasserwaage angelegt und eingerichtet.
Innenseiten leicht sichtbar war die Händler-Empfehlung, also diese Variante berücksichtigt, Kabel ran und Mucke drauf. Toll, was sich da schon tut, der Bass kommt nun knackig, tief und trocken. Auch meine Frau war direkt verzückt, hier jedoch mehr von der optischen Erscheinung.
Ich habe dann mehrere Tage intensiv gehört, die Frage meiner Frau ob ich mich denn nun entschieden hätte, habe ich jedoch stets verneint. Gut, war schon dufte, aber das sollte nun der berühmte Zingali-Klang sein? Schon sehr analytisch, ja zuweilen schneidend hell. Dann immer wieder komische Verhärtungen, Verzerrungen. Was passiert hier? Also das Benz Wood L2 nachjustiert, hatte aber nichts gebracht.
Dann mein Benz MC-Gold am Zweitarm eingesetzt, schon etwas besser. Sollte das Wood seine Lebenszeit erreicht haben? Sicherlich hat das gute Stück ca. 2000 Stunden auf’m Buckel, also telefonisch mit dem netten Herrn Jacobsen / Hifi-Ilona die Details abgeklärt und den Versand eingeleitet.
Was aber tat sich in Sachen Zingali? In Ermangelung eines CD-Spielers habe ich dann über meine Tandberg diverse Bänder gehört, aber auch hier trat die Verhärtung in Abhängigkeit vom Material ein.
Dann hatte ich die EAR-Vorstufe auf dem Kieker, vielleicht könnte da ja etwas nicht ganz astrein sein? Also ab damit zum Händler, identische Vorstufe im Tausch erhalten. Zuhause dann auch mit diesem Gerät die o.g. Mängel. Vielleicht ist ja auch etwas mit der Endstufe? Ihr könnt euch vorstellen, dass ich schier verrückt zu werden drohte, mein Gesicht wurde immer länger.
Also die Vorstufe wieder beim Händler getauscht, er hatte zwei Röhren im Phonoteil eher auf Verdacht kostenlos ausgewechselt. „Und dann gebe ich Ihnen noch Kabel von R&C mit“, wobei ich vorab nach LS-Kabeln gefragt hatte.
Zuhause dann die LS-Kabel gewechselt, ein leicht wärmerer Klang tat sich auf, das übertrieben Analytische verblieb aber leider im Klangbild.
Eher aus Alibigründen hatte ich dann das von mir Ende 2006 hier im Forum hochgelobte Voodoo-Kabel Silver Mica zwischen den EAR-Komponenten durch das R&C NF 3000 ersetzt. Platte rauf, ab in den Sessel und Lauscher auf.
Doch was war das? Zingali-Klang wie ich ihn in den Jahren kennengelernt hatte, kernig, organisch, jedem Ton eine geschmeidige Direktheit mitgebend, dass es mir den Atem verschlug. Pippi inne Augen, Mundwinkel bis hinter die Ohrläppchen, Gänsehaut, wohlige Schauer durchzogen mich. Konnte das sein? Das Voodoo hatte mich doch damals zwischen EAR und Symphonic Line so dermaßen überzeugt!?
Die EAR-Komponenten sind mMn so durchlässig, dass ein Silberkabel hier überzieht. Die Virgo konnte diese Überhöhung nicht deutlich darstellen, die Zingalis sind da gnadenlos.
Dann noch mal das MC-Gold perfekt nachgestellt und viele, ja sehr viele LPs genossen, zwischenzeitlich dem Händler meine Irrfahrt geschildert und den Zingali-Kauf als gemacht durchgegeben.
Noch am Freitag haben zwei Freunde der Anlage lauschen dürfen, einhelliges Urteil „Das ist ja wie live, wow, Stefan meinen Glückwunsch!“. Nun sitze ich trotz bestem Wetter immer wieder vor der Anlage und lerne meine Plattensammlung neu kennen. Ich wünsche jedem Musikbegeisterten eine ebenso tiefe Zufriedenheit, wie ich sie derzeit erfahren darf.
Ein Problem gibt es da aber noch: Ich bin derzeit nicht gewillt, den recht hohen Preis für das NF-Kabel zu zahlen und werde es mit den LS-Kabeln am Mittwoch zurückgeben. Dann geht das Voodoo an die Bandmaschine und das gewiss nicht schlechte MIT 330 Plus nimmt die Verbindung zwischen den EAR auf.
Ob, bzw. wie lange das gut geht? Keine Ahnung, es ist jedoch absolut erstaunlich, wie sehr die Geräte bei steigender Qualität eine Abhängigkeit eingehen. Aber das ist wohl das Los eines jeden Audiophilen, ich werde nicht der Letzte sein der diese bittere Erfahrung machen musste. Wobei, unter Berücksichtigung des final zu Erreichenden, sind diese „Schmerzen“ sehr schnell vergessen.
Ach so, bevor ich es vergesse: Die vom Händler in Zahlung nehmende Virgo habe ich meinem Vater verkauft. Der ist total happy und geniesst den deutlichen Sprung in Sachen Abbildung, Tiefe und Detailtreue gegenüber seiner Sonus Faber „Concertino“die jetzt im Esszimmer ihren Dienst tut (Meine Mum liebt diesen Lautsprecher im perfektem Klavierlackgewand).
Somit sind alle glücklich, ich glaube dass ich nun meiner verständnisvollen, tollen und besten aller Ehefrauen einen Herzenswunsch zu erfüllen habe, das bin ich ihr einfach schuldig!
Wie immer viel Gesabbel, ich hoffe dennoch einigermaßen kurzweilig und informativ geschrieben zu haben. Tom, falls wir uns dann einmal von unseren Neuerwerbungen losreißen können, steht gegenseitiger "Befruchtung" nichts im Wege!
Liebe Grüsse sendet aus Nettetal
Stefan